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Ein intellektuelles Klangfeuerwerk

Ein intellektuelles Klangfeuerwerk

Anstrengend, aber aufregend: Das Achim Kaufmann Trio Kyrill hat die Wittlicher Jazzsaison mit einem extravaganten wie inhaltsreichen Programm eröffnet. Am Ende stand jubelnder Applaus für die drei Musiker.

Wittlich. Eher bescheiden war die Anzahl der Zuhörer, als der Wittlicher Jazzclub seine neue Spielzeit eröffnete. Zum Auftakt seiner insgesamt neun Konzerte hatte der Club einen Musiker ins Hotel Lindenhof am Wittlicher Mundwald eingeladen, der ein wenig sperrig, vielleicht auch ein bisschen extravagant ist. Achim Kaufmann, Jahrgang 1962, passt nicht in die üblichen Schubladen, in die man so gerne jemanden ablegt. Der in Aachen geborene Pianist experimentiert viel mit Klängen und vielleicht auch mit seinem Publikum.

Auch in Wittlich schien die Frage "Wie weit kann ich gehen?" im Raum zu stehen. Wie weit folgen die Zuhörer einer Musik, die hier ganz klassisch, im besten Sinne des Wortes "gewöhnlich" ist, um von jetzt auf gleich ins völlig unerwartete, atonale, gewöhnungsbedürftige zu wechseln. Hintergrundmusik war das sicher nicht. Als Background für einen entspannten Abend waren die Darbietungen nicht geeignet. Kaufmann hatte den isländischen Bassisten Valdi Kolli und den amerikanischen Schlagzeuger Jim Black mit an die Lieser gebracht. Mit ihnen zusammen bildet er das Trio Kyrill, das der unbändigen Kraft des gleichnamigen Sturms, der 2007 über Europa fegte, ein Denkmal setzt.

Zerstörte Erwartungen



Die Musik von Kaufmann war nicht zerstörerisch, wie man annehmen könnte, oder vielleicht doch. Sie zerstörte die Erwartungshaltung bei manch einem auf einen lockeren Abend. Unter anderem mit "Bright Industrial Smile", "Loop 2" oder dem brandneuen "Absinthe" erklagen fast ausnahmslos eigene Kompositionen von Kaufmann, bei denen manches Mal ein Mauricio Kagel oder ein Hans Werner Henze Pate gestanden haben mag.

Für alle drei Musiker galt gleichermaßen, dass sie wahre Meister ihres Faches sind und jeder für sich in der Lage ist, ein wahres Klangfeuerwerk aus seinem jeweiligen Instrument zu zaubern. Sie tauchten auf den Grund der Bedeutung des Wortes "Improvisation" hinab, überraschten immer wieder mit dem Unvorhersehbaren.

Kaufmanns Kompositionen spalten. Die Ansichten in Wittlich reichten von: "Ich bin trunken von der Musik, restlos begeistert" bis hin zu: "Toll gespielt, aber das ist mir zu verkopft, zu intellektuell." Ob nun für die Technik oder für den Inhalt, der Applaus am Ende war jubelnd.

Das Konzert wurde von SWR2 mitgeschnitten. Sendetermin: Donnerstag, 21. Oktober, 23.03 Uhr.

Am Samstag, 23. Oktober, spielen Oregon um 20 Uhr im Hotel Lindenhof in Wittlich. Karten in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, unter 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets