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Ein Jagen durch die Lagen

Ein Jagen durch die Lagen

Ein mutiges und erfolgreiches Kontrastprogramm zum Trierer Altstadtfest bot ein Konzert in der Welschnonnenkirche. Dreh-, Angel- und Kontrapunkt war Joachim Reidenbachs Bearbeitung der "Französischen Suite" von J. S. Bach, die dem ein oder anderen Zuhörer eher spanisch erschien.

Trier. Das Ensemble Espressivo Eifel brillierte unter der Leitung von Claudia Kussmaul mit einer ungewöhnlichen Besetzung und eröffnete das Konzert mit der Orgeltriosonate Nr. 3 von J. S. Bach. Die Stumm-Orgel blieb stumm. Statt ihrer erklang das Cembalo, gespielt von dem Trierer Domorganisten Josef Still.
"Ich mute Ihnen jetzt was zu! Eine Auseinandersetzung zwischen Reiden und Bach!", mit diesen Worten kündigte Reidenbach seine Komposition an. Und er sollte recht behalten. Für die zahlreichen Zuhörer war es ein Genuss und eine Freude, für die Instrumentalisten eine ganz besondere rhythmische und harmonische Herausforderung. Für Sonja Lehrke am Cello hieß es mal Pizzicato, mal Flageolett, ein Jagen durch die Lagen!
Stills Cembalo erwies sich für einen Reidenbach als etwas zu still. Sein Spiel gewohnt brillant, doch fehlt es einem Cembalo einfach an Volumen. Man höre den Bach immer etwas heraus, so der Komponist, und was erklang, war ein schier wild gewordener Bach in dem jeder Solist Gefahr läuft zu ertrinken.
Viel Reiden, wenig Bach. Eine wahrhaft klang- und horizonterweiterte Bearbeitung der "Französischen Suite". Ja, es habe ihm gefallen, so Reidenbach in bester Laune nach dem Konzert, doch es sei schwierig für die Musiker. Ja, das war es. Aber schön war\'s, und gut! Dieser Abend zeigte abermals, dass die Trierer zu Recht stolz sind auf ihren Joachim Reidenbach. Mit Bachs "Musikalischem Opfer" entspannte und verabschiedete sich das Ensemble von einem begeisterten Publikum. romi