Ein Klangteppich zum Abheben

Gut 4000 Besucher kamen aus ganz Südwestdeutschland, Frankreich und Benelux in die Trierer Arena, um den kanadischen Swing-König Michael Bublé, präsentiert vom Trierischen Volksfeund, zu erleben. Selbst weiteste Anreisewege erwiesen sich dabei als absolut lohnenswert.

Trier. Stehender Applaus am Ende eines Konzerts gehören heutzutage zum Standard. Aber dass eine Halle geschlossen steht und jubelt, lange bevor der Star des Abends die Bühne überhaupt betreten hat, kommt eher selten vor. Dieses Kunststück vollbringt die Vorgruppe "Naturally 7", eine Art phänomenaler Kreuzung aus Bobby McFerrin, Manhattan Transfer und Puff Daddy. Sieben Vokal-Akrobaten, die mit ihren Stimmbändern ein ganzes Instrumentarium imitieren, aber auch lupenreinen A-Cappella-Gesang zelebrieren. Erst staunt die Arena, dann tobt sie. Die Jungs aus New York dürften ruhig auch mal alleine wiederkommen.

Makellose Big Band

Wer sich ein solches Vorprogramm leistet, muss verdammt selbstbewusst sein - und richtig gut. Kein Problem für Michael Bublé. Das beginnt schon bei der perfekten Bühnenshow: Da schreiben Laser den stilisierten Schriftzug "MB" in den Bühnenhimmel, eine makellose Big Band entfaltet einen Sound zum Zungeschnalzen, die Lichtregie zaubert mit tausenden flimmernder Lämpchen wechselnde Stimmungen. Und das Schöne: Das alles ist nur Zugabe. Es ginge auch ganz ohne Schau, so viel musikalische Substanz steckt in diesem Auftritt.

Michael Bublé sieht aus der Nähe viel jünger aus als durch das Auge der Kamera. Jünger auch als die 32 Jahre, die seine Biografie ausweist. Und noch viel jünger als seine abgeklärte, souveräne, aber nie routiniert wirkende Art des Singens. Egal, ob er mit "That's life" Sinatra seine Reverenz erweist, mit "Feeling good" an Nina Simone erinnert, mit "Try a little Tenderness" Otis Redding beschwört oder mit "Meglio Stasera" Henry Mancinis "Rosa Panther" tanzen lässt: Bublé kann es sich leisten. Wo etwa Robbie Williams bei seinen Swing-Ausflügen auf hörbare Grenzen stößt, hat Bublé sie noch lange nicht erreicht.

Aber womöglich ist das gar nicht der Grund für seinen Erfolg. Das Publikum - altersmäßig und sozial so breit gestreut wie die Zuschauer-Gemeinde von "Wetten dass" - liebt ihn auch für seine sympathische Art des Auftretens. Da hält einer Schwätzchen mit dem Saal, setzt sich neben kleine Kinder in der zehnten Reihe, lässt sich von weiblichen Fans an den Hintern fassen und zerdrückt am Ende sogar ein paar bühnenwirksame Tränchen über den Abschiedsschmerz. So virtuos beherrscht hierzulande sonst nur Helmut Lotti die Klaviatur des netten, großen Jungen - aber der beherrscht leider sonst nicht viel. Bublé hingegen kann fast alles, zum Beispiel aus "Feeling good" einen explosiven, bewegenden Lebenstraum herausmeißeln, der auch den abgebrühtesten Konzertgänger bewegt.

Vor allem aber besitzt Michael Bublé ein funkelndes Augenzwinkern, eine gesunde (Selbst-)Ironie. "Das ist Romantik pur, was ich hier verkaufe", sagt er grinsend und verspricht den ins Konzert mitgeschleppten Ehemännern eine spätere Belohnung von ihren Frauen, "die Sie nach einem Fußball-Abend nie gekriegt hätten".

Natürlich fehlen auch seine auf die internationalen Charts zugeschnittenen Hits nicht. Die flache Pop-Ballade "Lost" fällt dabei deutlich ab, "Everything" und "Home" werden vom Publikum gefeiert. Aber wer ein bisschen was von Körpersprache versteht, sieht, dass die Hit-Parade nicht jener Teil des Konzerts ist, der Bublé Spaß macht.

Erst nach der Pflicht dreht er wieder so richtig auf, und die Band webt ihm einen Klang-Teppich, auf dem man abheben kann. Ehrlich kommt sein Dank an die Musiker rüber, "ohne die ich nur ein schlechter Karaoke-Sänger wäre". Er nimmt sich viel Zeit, um alle 15 einzeln vorzustellen und ihnen den verdienten Beifall zu verschaffen.

Ein wahrhaft grandioses Finale: "That's life" als vielstimmiger Gospel, eine umwerfend-verswingte Version von Freddie Mercurys "Crazy little thing called love" und zum Schluss der hochemotionale "Song for you", ohne Mikrofon in die riesige, atemlos lauschende Arena gesungen. "Ich komme wieder, wann immer ihr wollt", ruft er dem enthusiastischen Publikum zu.

Vielleicht schafft Veranstalter Ingo Popp ja, zu beweisen, dass es mehr als eine Floskel war.

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