Ein Konzert einfach nur zum Niederknien

Ein Konzert einfach nur zum Niederknien

Wegen verstopfter Straßen und einer kurzfristigen Vorverlegung kamen etliche der 6000 Zuschauer am Dienstagabend nur in den Genuss der zweiten Hälfte des genialen Konzerts von Mark Knopfler - ehemals Kopf, Sänger und Gitarrist der legendären Dire Straits.

Esch/Alzette. (woc) "Play everything!", "Spiel alles!”, habe mal ein Fan gen Bühne geschrien, erzählt Mark Knopfler und fügt mit dunklem Timbre grinsend an: "Wir haben es nicht getan."

Alles zu spielen wäre schlechterdings auch ein unmögliches Unterfangen. Und das nicht nur, weil die durchschnittliche Liedlänge bei Knopflers Konzert im luxemburgischen Esch/Alzette bei neun Minuten liegt. Inklusive Gitarrensoli und -improvisationen dürfen es bei "Telegraf Road" gerne glatte 14 Minuten sein.

Seit 1978 hat Knopfler als Komponist, Sänger und Gitarrist sechs Studio-Alben mit den Dire Straits aufgenommen und damit drei Mal den ersten Platz in den deutschen Album-Charts erobert. Nach der Trennung der von ihm gegründeten Band spielte er seit 1996 noch mal sechs Solo-Platten ein und erreichte mit "Sailing to Philadelphia" ebenfalls die deutsche Chartspitze.

6000 Zuhörer sind in die Rockhal gekommen. Denn auch wenn Knopfler vielleicht nicht die allergrößte Stimme hat, zu den besten E-Gitarristen der Welt zählt er fraglos. Im musikalischen Sinn kommerziell ist seine Musik trotzdem nicht.

Ein bisschen langsamer, ein bisschen sanfter und viel bluesiger ist der geborene Schotte seit seiner rockigen Zeit geworden. Mit Pfeifen und Flöten, Kontrabass und Akkordeon klingen die Lieder des neuen Albums "Get Lucky", herausgekommen im September 2009, häufig nach irischem Folk. Der Sound, den die acht Männer - davon gleich mehrere Gitarristen - liefern, ist glasklar, Knopflers Gesang dazu verraucht und ein fast bisschen schnoddrig.

"Romeo and Juliet" (1981) und "Sultans of Swing" (1979) kommen im Doppelpack und haben nichts von ihrer Intensität verloren. Zum Niederknien ist das. Knopflers Finger picken - wie immer ohne Plektrum - rasend flink über die Saiten seiner Gitarren, die er ständig wechselt, auch während der Songs. "So far away from me" swingt mehr als die Originalversion, bei "Brothers in Arms" ersetzt ein Akkordeon den Synthesizer. Weil Knopflers Flug vom luxemburgischen Flughafen Findel noch am Abend startet, musste das Konzert kurzfristig von 20.30 Uhr auf 20 Uhr vorverlegt werden. Das und gleich zwei Staus auf der Autobahn rund um Luxemburg und dem Zubringer zur Rockhal hatten dafür gesorgt, dass etliche Zuschauer nur den zweiten Teil des knapp zweistündigen Konzerts erlebten. "Richtig geärgert hab ich mich trotzdem nicht", sagt der Trierer Ansgar Steffgen, selbst Gitarrist. "50 Euro Eintritt für vier Lieder - das war Mark Knopfler absolut wert."