Ein Kreativ-Vulkan

Trier · Da kann Falco getrost zuhause bleiben: Musicaldarsteller Alexander Kerbst und Stefanie Kock haben im Theater Trier eine rasante Mischung aus frechen Texten, Schabernack und eingängigen Melodien im Stil der 1920er Jahre abgeliefert, professionell unterstützt von ihrer vierköpfigen Band Die Therapeuten.

Trier. Ach, hätte sie doch lange Haare. Aber nein, Stefanie Kock trägt ihre kurz, streng nach hinten gekämmt. Gegenspieler Alexander Kerbst himmelt indes immer wieder eine langhaarige Dame aus der ersten Reihe im Theater Trier an. Nicht der einzige Punkt, an denen sich Kerbst und Kock in ihrer Musik-Comedy "Beziehungs-Weise" reiben. Schließlich sind sie im verflixten siebten Jahr.
Kein Wunder, dass sich die Sänger ihre Therapeuten gleich mitgebracht haben. In Form einer Band, die überzeugt: Bassist Jochen Karger (Bass) Markus (Klavier) und Christian Kauffeld (Schlagzeug) und - erst das zweite Mal dabei - Felix Rogge an der Gitarre. Bis auf vier Stücke, darunter "Was macht der Maier am Himalaya" und "Kein Schwein ruft mich an", sind allesamt aus Kerbsts und Kocks Feder, auch wenn sie sich anhören, als stammen sie direkt aus den 1920er Jahren. Dazu kommen Gags, die erfrischend sind, sich im Laufe der zweieinhalbstündigen Show aber auch etwas abnutzen. Die Ideen stammen meist von Kock. "Ich ein kreativer Vulkan", bestätigt sie, "und ich versuche, das in Bahnen zu lenken", kontert er.
Für Kerbst ist es ein Heimspiel, stand er doch in Trier bis vor kurzem als Falco auf der Bühne. Den lässt er diesmal zuhause, dafür hat der 49-Jährige weitere Prominente im Gepäck wie Rüdiger Hoffmann, Otto und Erich Honecker. Fazit: Kerbst hat durchaus das Zeug zum Stimmenimitator.
Ansonsten erscheint er stets korrekt und wohlgebildet, sie macht in frivolen Kleidern auf kleines Dummchen, das Daniel Düsentrieb und die Rolling Stones für Erfinder hält. Apropos Stones: Kerbsts Übersetzung des Hits "Satisfaction" mit "Ich kann nicht keine Zufriedenheit erhalten" hat er wohl von Google übersetzen lassen. Da ihr so ein Partner nicht rockig genug ist, zerrt sich Kock einen "richtigen" Mann aus dem Publikum auf die Bühne. "Hier ist ein niedliches Exemplar", urteilt sie über Frank Schneider aus Serrig, der vor 130 Zuschauern die Hüften kreisen lassen muss. Das Publikum tobt. Vor allem die Gesangspassagen überzeugen, versprühen doch die Texte massig Witz. Enttäuschend die Resonanz: Die Beliebtheit des Tanzstücks "Falco" hat mehr Publikum erwarten lassen.

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