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Ein Leben für Verdi

Ein Leben für Verdi

Am 13. Juli hat er noch seinen 90. Geburtstag feiern können. Knapp zwei Wochen später ist Carlo Bergonzi, einer der bedeutendsten Sänger des 20. Jahrhunderts, in Mailand gestorben. Das gab seine Frau Adele bekannt

Mailand. Als "personifizierte italienische Musikalität" ist der Tenor Carlo Bergonzi einmal bezeichnet worden. In die Operngeschichte ist er als einer der feinsinnigsten Interpreten eingegangen, ein stilistisch extrem versierter Tenor. Stets wusste er seine Stimme geschmackvoll und intelligent zu färben: Seine Gesangslinie schien gezogen wie mit einem Silberstift.
Dabei hatte er zunächst keine Künstlerkarriere im Sinn gehabt: Bergonzi lernte vom Vater das Käser-Handwerk, sang allerdings nebenbei bereits im Chor der Verdi-Festspiele von Busseto. Später hat er in Parma Gesang studiert, bis ihn der Krieg zu einer Unterbrechung zwang. Bis zu dessen Ende hatte er mehr als zwei Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft verbracht.
Von 1947 an ging es dann allerdings zielstrebig nach vorn - und naufwärts: Nach einem Gesangsstudium am Konservatorium von Parma, debütierte er in einem kleinen Theater als Figaro in Rossinis "Barbier von Sevilla" - in einer Bariton-Partie. Drei Jahre später wechselte er ins Tenorfach. Damit legte er den Grundstein für eine Weltkarriere, die Jahrzehnte dauern sollte und den Sänger an alle großen Opernhäuser führen sollte. Er trat an der Mailänder Scala, in der Arena di Verona, in Londons Covent Garden und in San Francisco auf.
Aber die Metropolitan Opera in New York wurde seine wirkliche Heimat in der Neuen Welt. Ein Vierteljahrhundert lang war Bergonzi eine feste Größe im Spielplan der Met. Dort sang er alle großen Partien seines Faches, vor allem Giuseppe Verdi. "Papa Verdi" sollte der Tenor den Komponisten denn auch nennen; für seine Verdi-Interpretation wurde Bergonzi besonders geliebt. Radames in "Aida", Gustavo in "Un Ballo In Maschera", Alfredo in "La Traviata", der Herzog in "Rigoletto", Manrico in "Il Trovatore" oder die Titelpartie in "Don Carlo" - Bergonzi hat sie alle gesungen und dabei Maßstäbe gesetzt. Sein Repertoire umfasste mehr als 60 Rollen.
Kritiker schwärmten von einer Stimme, die hell, aber nie metallisch hart glänzt; die wunderbare Legatobögen zu formen vermochte, die über eine feine Technik verfügte, die "wie mit einem Silberstift gezeichnet war" - und einfach nur Freude bereitete. red