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Ein Mädelsabend auch für Männer

Ein Mädelsabend auch für Männer

Einen fulminanten Auftritt hat die Entertainerin Ina Müller am Sonntagabend vor 3700 Zuschauern in der Trierer Arena geboten. Lieder aus ihrem neuen Album "48" und Geschichten voller Mutterwitz mischte die charismatische Norddeutsche zu einem Programm voller positiver Energie.

Trier. Für selbstmitleidige, diskussionsfreudige Weicheier ist kein Platz in Inas Nächten wie am Sonntagabend in der Trier Arena. Wenn die dann noch - jenseits der 50 - körperliche Defizite aufweisen, bekommen sie ihr Fett weg bei Ina Müllers neuestem Bühnenprogramm.
Apropos Fett: Auch die zahlreich im Publikum vertretenen Männer lachen Tränen, wenn die zweifellos attraktive Endvierzigerin kokett über das weibliche "Wanderfett" witzelt, das vom Gesicht (in der Pubertät) durch den Körper hindurch bis in die Füße ("bei alten Omas bei uns im Dorf") zu wandern scheint, quasi "der Körper als Jacobsweg für mein Wanderfett". Hier werden nicht die großen Themen verhandelt, sondern Alltägliches, manchmal Banales.
Mann fühlt sich wie ein Voyeur bei einem Abend unter besten Freundinnen, die alles miteinander teilen. Denn wer ein Ina-Müller-Konzert besucht, darf sicher sein, dass er (und vor allem: sie) viel mehr geboten bekommt als eine Abfolge von Songs aus ihrem neuen Album. Denn die Gastgeberin der NDR-Kultshow "Inas Nacht" ist vor allem eins: eine klassische Entertainerin.
Und das funktioniert nicht nur im beengten Rahmen des Hamburger "Schellfischpostens", sondern offensichtlich auch in der großen Mehrzweckarena vor 3700 Leuten. Die Frau ackert und flirtet und schwitzt, versteht die Sorgen und Nöte des weiblichen Publikums und verzaubert - trotz klischeehafter und zotiger Spitzen gegen die Männerwelt - auch die männlichen, "von ihren Frauen mitgeschleiften" Besucher.
Ja, das Schwitzen der Frauen in der Menopause ist für Ina, genau wie Faltenbildung, Altersflecken, Speckröllchen und nachlassende Libido, ein zentrales Thema, dem sie aber mit Ironie und schicksalhafter Ergebenheit begegnet: "Ich könnte doch mit meinem Körper verschüttete Lawinenopfer freischmelzen!" Und sie singt wundervoll emotional wie eine kratzige Mischung aus Edith Piaf und Janis Joplin. Ihre beiden formidablen Background-Sängerinnen und die fünfköpfige Band sind da nur technisch perfektes Beiwerk.
Ein Repertoire zwischen Country, Rock und Blues zeugt von musikalischer Reife, besonders starke Momente hat sie bei den melancholischen Balladen, allein im Spotlight auf dem Flügel sitzend. Ein stimmiges, projiziertes Bühnenbild und perfekte Lichttechnik zeugen von einer ausgeklügelten Show-Choreographie.
Es scheint mühelos, was die Müller macht, ist aber durchkalkuliert bis ins Detail. Thorsten aus dem Saarland, der in der ersten Reihe sitzt muss immer wieder als Objekt für ihren liebevollen Spott herhalten, die "Hassliebe" zu seiner Frau wird zum Running Gag des Abends.
Sicher Kalkül, aber auch viel improvisierte Spontaneität und trockener, norddeutscher Humor. Wenn dieser Mutterwitz aufblitzt, strahlen die Zuschauer vor Vergnügen, frenetischer Applaus belohnt die Künstlerin.