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Ein Märchen voll von Blut und Wahnsinn

Der Soldat Amado (hier dargestellt von Stever Karier) am Rand der Verzweiflung. Foto: Bohumil KOSTOHRYZ
Der Soldat Amado (hier dargestellt von Stever Karier) am Rand der Verzweiflung. Foto: Bohumil KOSTOHRYZ
Luxemburg. Eine Annäherung an das Thema Krieg und seine Folgen versucht der irakische Schriftsteller Nahidh Al-Ramadhani in seinem Werk "Amado, Ein Kriegsmärchen", das im Luxemburger Kapuzinertheater zum ersten Mal in deutscher Sprache aufgeführt wurde. Anita Lozina

Luxemburg. Welchen Sinn hat der Krieg? Wann wird aus einem Helden ein Täter, wann ein Opfer, und gibt es so etwas wie Helden überhaupt? Eine Antwort auf diese Fragen bleibt der Iraker Nahidh Al-Ramadhani den Zuschauern schuldig. Was er ihnen präsentiert, ist die Unmöglichkeit des Krieges in seiner Reinform: Der japanische Soldat Amado diente im Zweiten Weltkrieg als Soldat und landete dabei auf einer abgeschiedenen Insel. Kurz darauf endet der Krieg, doch Amado bekommt davon auf der Insel nichts mit - 30 Jahre lang. Dann erscheint ein Offizier zu seiner Rettung und teilt ihm mit, dass der Krieg vorbei ist.
Es sind die persönlichen Kriegserfahrungen Al-Ramadhanis, die hier in einer allgemeingültigen Form verarbeitet werden. Detailliert wird beschrieben, wie Menschen getötet werden, wie sich Soldaten wegen dummer Befehle gegen die eigenen Männer wenden und in welches Loch sie fallen, wenn sie merken, dass alles umsonst war. Die Figuren agieren am Rande des Wahnsinns, mal wütend, mal heiter und plötzlich wieder von Rachegelüsten zerfressen. Unter der Regie von Anne Simon transportieren die Schauspieler Stever Karier und Wolfram Koch, die sich in den Rollen abwechseln, mit ihrem packenden und körperlichen Spiel die Zerrissenheit der Figuren zwischen Heldentum und Verzweiflung.
In drei Variationen wird die Geschichte durchgespielt, keine von ihnen wartet mit einem befriedigenden Ende auf. Es wird nicht einmal klar, ob der Soldat tatsächlich gerettet wird oder ob zwei Soldaten die Situation nur durchspielen, um nicht wahnsinnig zu werden. Im Grunde ist es unwichtig. Am Ende geht alles wieder von vorne los, in einem immerwährenden Kreislauf, aus dem es kein Entkommen gibt.
Weitere Aufführungen: Mittwoch, 1. Februar, und Donnerstag, 2. Februar, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich sowie an der Abendkasse.