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Ein merk-würdiger Abend mit Kit Armstrong am Flügel

Ein merk-würdiger Abend mit Kit Armstrong am Flügel

Das Kloster Machern ist Keimzelle und Premiumspielort des Mosel Musikfestivals. Der junge Pianist Kit Armstrong hat den Festspielen dort zu einem ausverkauften Haus verholfen.

Rund ein Viertel der knapp 300 Konzertbesucher im Festsaal des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters zeigte auf, als Intendant Hermann Lewen fragte, wer denn zum ersten Mal in Kloster Machern und beim Festival sei. Immer wieder schafft er es, mit einem attraktiven Programm auch ein Publikum anzusprechen, dem die Mosel noch unbekannt ist und wird damit seiner Aufgabe gerecht, Botschafter für die Region zu sein.

Mit dem jungen Amerikaner Armstrong hatte Lewen einen Musiker eingeladen, von dem er sich selber noch überraschen lassen musste. "Ich bin sehr gespannt, ob er die Leichtigkeit und die Unbekümmertheit, die er in den Proben gezeigt hat, auch im Konzert beibehalten kann", sagte er vor dem Konzert. Nun - Armstrong konnte es. Ludwig van Beethovens Capriccio "Die Wut über den verlorenen Groschen", Franz Schuberts Impromptu As-Dur und auch Johann Sebastian Bachs Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier flossen ihm nur so aus den Fingern. Dies war umso beachtlicher, als der 100-jährige Steinwayflügel in Machern keinen leichten Partner für einen Pianisten darstellt. Er hat seine Eigenheiten und wer ihn nicht richtig behandelt, wird abgestraft. Nichts davon war bei Armstrong zu merken. Die Läufe perlten, die Höhen glitzerten und die Bässe, gerade bei diesem Instrument oft mulmig, bildeten eine profunde Grundlage. So war es ein merkwürdiges Konzert im besten Sinne des Wortes. Ein gerade einmal 20-jähriger Musiker, der mit erstaunlicher Reife sein Publikum für sich einnahm. Frei von Allüren, ganz im Dienste der Musik. Ein Abend, den man sich merken sollte.
EXTRADer US-Amerikaner taiwanesischer Abstammung Kit Armstrong gab sein erstes Klavierkonzert, als er acht Jahre alt war. Mit neun Jahren studierte er an der Uni Mathe, Naturwissenschaften und Musik — und wurde in den USA als Wunderkind gefeiert. Inzwischen gilt er als Ausnahme-Pianist. 50 bis 60 Auftritte vor allem in Europa stehen in der laufenden Saison auf seinem Programm. dpa