Ein misslungenes Meisterwerk

Ein misslungenes Meisterwerk

Insgesamt acht Mal laden die Trie rer Philharmoniker in der neuen Spielzeit zu ihren Sinfoniekonzerten ein. Beim ersten Abend stellte eine der beliebtesten Sinfonien überhaupt das Hauptwerk des Abends dar.

Trier. Wie gut, dass am Ende die fünfte Sinfonie von Peter Tschaikowski auf dem Programm stand. Sie hatte das Lebendige, das Spritzige, mit dem eine neue Spielzeit begonnen werden sollte. Hier war das Philharmonische Orchester der Stadt Trier daheim und gab unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Victor Puhl eine recht gute Figur ab. Da konnte man Lyrisches und Stürmisches erleben, Wildes ebenso wie Zärtliches. Da konnte man verstehen, warum dieses Opus 64 weltweit zu den beliebtesten Werken in Sinfoniekonzerten gehört. Unverständlich indes bleibt, warum Tschaikowski selbst sein e-Moll Werk als "misslungen" bezeichnet hat. "Ein Meisterwerk", möchte man ausrufen.
Süßliches Klanggemälde


Anders war es im ersten Teil des Abends, bei dem das Opernintermezzo "The Walk to the Paradise Garden" von Frederick Delius und Alban Bergs Violinkonzert auf dem Programm standen. Delius hat das Intermezzo geschrieben, um eine Umbauphase bei seiner Oper zu überbrücken. Die Zuhörer der damaligen Zeit waren also im Thema, das dargestellt wurde, drin. Das konnte man vom Trierer Publikum nicht erwarten. Was blieb, war ein süßliches, teilweise zähes Klanggemälde, das nicht recht vom Fleck kommen wollte. Das "Erschütternde", das im Programmheft angekündigt wurde, suchte man vergebens. Allerdings auch das Leidenschaftliche und das Schmerzliche.
Bergs Violinkonzert "Dem Andenken an einen Engel" ist äußerst diffizil. Dieses komplett in Zwölftontechnik verfasste Werk stellt höchste Anforderungen an Musiker und Zuhörer. Weder Puhl noch die junge Zhi-Jong Wang, die den Solopart übernommen hatte, schafften es, das Publikum zu packen. Das große und großartige Gefüge des Konzertes wurde nicht sichtbar, und vieles blieb ungesagt. Am Ende passte die Überschrift des Programmtextes: "Es ist genug". gkl