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Ein mörderischer Sommer

Ein mörderischer Sommer

Paradiesische Verhältnisse für Musical-Fans aus Saar-Lor-Lux: Gleich drei aufwendige Produktionen konkurrieren zwischen Merzig und Neunkirchen um das Publikum aus der Großregion. Die Ansätze könnten dabei kaum unterschiedlicher sein.

Neunkirchen. Der Countdown läuft in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Am Freitag fällt dort der spektakuläre Startschuss für einen Musical-Sommer, der in 34 Vorstellungen Platz für rund 25 000 Zuschauer bietet. Wobei man den Begriff Musical flexibel anwenden muss.
Denn "Falco meets Mercury", dessen Uraufführung diese Woche ansteht, firmiert zu Recht als "Musical Revue". Viel hilft viel, mögen sich die Macher gedacht haben - und packten gleich zwei Legenden des späten 20. Jahrhunderts in eine Show. Was Queen-Star Freddie Mercury und Österreichs Rapper Falco miteinander zu tun haben - außer dem allzu frühen Ableben - wird sich am Freitag herausstellen.
Die Besetzung ist turbo-professionell. Die Fäden hält Elmar Ottenthal in der Hand, früherer Chef im Berliner "Theater des Westens" und so etwas wie ein Musical-Papst in deutschen Landen. Den Falco gibt der aus dem Eifelort Speicher stammende Sänger Axel Herrig, der in dieser Rolle seit Jahren Triumphe feiert. Mercury alias Sascha Lien wurde in der Hauptrolle des Musicals "We will rock you" groß.
Falco und Freddie im Wartesaal zum Jenseits, 24 Songs, eine spektakuläre Band, ein erlesenes Tanz-Ensemble: Das klingt nach einem am Reißbrett kalkulierten Erfolg. Aber in Neunkirchen? Veranstaltet von der städtischen Kulturgesellschaft? Da scheint es ein glückliches "joint venture" zu geben: Das Saarland-Debüt vom 6. bis 12. Juni ist auch eine Art Generalprobe für höhere Aufgaben. Im Oktober geht es in den Berliner Admiralspalast.
Da ist der Risikofaktor bei "Sweeney Todd" etwas höher. Ein Theater Trier etwa hat sich noch nicht herangetraut an dieses schräge, kultige, schwarzhumorige, von Steven Sondheim genial komponierte Meisterwerk der Musicalkunst. Der massenmörderische Barbier aus der Fleet Street und seine Gefährtin, deren selbst hergestellte Fleisch-Pasteten (hihi) ein Verkaufshit sind: Dieses sehr britischen Themas nimmt sich mit "Magic Entertain" ein junges, studentisches Musicalprojekt aus Saarbrücken an. Mehr als 50 Leute wirken mit, sie kommen aus der Großregion, bis hin nach Trier. Die Semesterferien hat man durchgeprobt. Gespielt wird aber nicht in der Landeshauptstadt, sondern ebenfalls in der Gebläsehalle Neunkirchen - vom 18. bis 21. Juni.
Der Spätsommer gehört dann dem Platzhirsch aus Merzig: Im Zeltpalast treibt vom 22. August bis zum 28. September die berühmt-berüchtigte "Addams-Family" ihr Unwesen, und das gleich 24-mal. Zelt-Chef Joachim Arnold, inzwischen Vize-Intendant am Theater Wuppertal, geht in seiner Sommerfrische aufs Ganze. Aus Australien hat er das neue Musical mit Umweg über den Broadway an die Saar geholt, zur deutschen Erstaufführung. Mit Stars wie Uwe Kröger, April Hailer, Anne Welte, in der Regie des erfolgreichen Saarland-Exports Andreas Gergen.
Fernseh- und Kinofans braucht man die überaus eigenwillige Familie nicht vorzustellen: Eine gern wiederholte Serie aus den 1960ern und drei erfolgreiche Spielfilme in den 1990er Jahren schafften einen regelrechten Addams-Kult.
Karten für alle Produktionen im TV-Service-Center Trier, über www.volksfreund.de/tickets und 0651/7199996. Infos zu den Produktionen: www.falcomeetsmercury.de ; www.sweeneytodd-musical.de ; www.musik-theater.de.