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Ein Morgenlicht mit jugendlicher Energie

Die Nachwuchschöre des Trierer Doms bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Die Nachwuchschöre des Trierer Doms bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Trier. Seit zehn Jahren gibt es die Jugendchöre am Trierer Dom. Was als zarter neuer Trieb begonnen hat, ist inzwischen zu einem tragenden Ast der Dommusik geworden, der wundervolle Blüten trägt. Gerhard W. Kluth

Trier. Die Musik von Johann Sebastian Bach ist für jeden Musiker und jedes Ensemble eine Messlatte seines Könnens. Egal, ob Orgelwerk, Orchestersuite oder Chorwerk; wer diese Kompositionen beherrscht, hat einen Olymp erreicht. Zehn Jahre nach der Gründung, quasi als Krönung der ersten Dekade, wagten sich die Nachwuchschöre an der Trie-rer Mutterkirche an Bachs BWV 248, setzten vier der insgesamt sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums auf ihr Programm.
Die Gesamtverantwortung trug dabei nicht Domkapellmeister Stephan Rommelspacher, sondern Domkantor Thomas Kiefer, der die Leitung der jungen Ensembles hat.
Das Ergebnis war mehr als nur beeindruckend. Als der Chor, bestehend aus den Trierer Domsingknaben und dem Mädchenchor am Trierer Dom, den Choral "Brich an, o schönes Morgenlicht" aus der zweiten Kantate anstimmte, wollte man am liebsten sagen: Es ist doch schon da, man kann es doch schon hören ...
Wenn man der Vokalgemeinschaft uneingeschränkt Komplimente für Konzentration, Dynamik, Intonation, Interpretation und all die anderen Dinge, die es in der Musik zu beachten gibt, macht, zählt dies hier doppelt. Denn schließlich ist es noch keine zwei Monate her, dass diese beiden Chöre das deutsche Requiem von Johannes Brahms aufgeführt haben (der TV berichtete) und außerdem liturgische Verpflichtungen erfüllen. Wenn sie trotzdem aus dem "Jauchzet, frohlocket" der ersten Kantate, aus der Bitte "Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen" (Kantate drei) oder dem Choral "Ich steh an deiner Krippen hier" der Schlusskantate einen verkündigenden Moment machten, der den Zuhörern die Gänsehaut auf den Rücken trieb, zeigt dies das hohe Niveau, auf dem sich diese Aufführung bewegte.
Als Orchester hatte die Dommusik das Barockorchester L\'arpa festante aus München verpflichtet. Wie man es in Trier gewohnt ist, agierten die Musiker unter Konzertmeister Christoph Hesse mit Frische und ohne jedwede falschen Schnörkel. Ihr Spiel passte wundervoll zum hier profunden, dort liebevoll zarten Auftreten des Chores. Mit Georg Poplutz hatte Kiefer einen Tenor engagiert, der innerhalb weniger Töne die Herzen des Publikums gewonnen hatte. Ein optimaler Sachwalter seiner Rolle als Evangelist ebenso wie in den teilweise virtuosen Arien, die er zu bewältigen hatte.
Eine Stimme zum Kuscheln


Nicht minder herausragend agierte Anne Bierwirth mit ihrem glänzenden und zugleich warmen und weichen Alt. Eine Stimme zum Kuscheln. Auch Bassist Thilo Dahlmann passte sich schlank und beweglich in das Solistenensemble ein, wenngleich er nicht ganz auf der Höhe schien und gelegentlich Schwächen aufwies. Die Sopranistin Antonia Bourvé allerdings passte so gar nicht in dieses Quartett. Mit großer, vibrierender Bühnenstimme präsentierte sie sich dem voll besetzten Dom und schien nicht bemerkt zu haben, dass hier Bach und nicht Verdi auf dem Programm stand. Trotzdem: ein großes Weihnachtsgeschenk des Doms an die Stadt.