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Ein Musiker mit Entertainer-Qualitäten

Ein Musiker mit Entertainer-Qualitäten

Der britische Liedermacher Julian Dawson hat in der Synagoge Schweich mit rundum schönen Liedern, viel Humor und charismatischer Bühnenpräsenz für ein nachhallendes Konzerterlebnis gesorgt. Der vom TV präsentierte Abend wurde begeistert aufgenommen.

Schweich. Mit einem gänzlich ohne Instrumentalbegleitung gesungenen Lied beginnt das Konzert von Julian Dawson. Keine Frage, der Mann hat eine tolle Stimme, klar über alle Tonlagen, dazu im Ausdruck sehr gefühlvoll. Schon so pur vermittelt er eine Präsenz, die in ihren Bann zieht.
Doch das Feuerwerk geht erst richtig los, als er zur Akustik-Gitarre in seltener siebensaitiger Bauart greift und seinen Gitarren-Duo-Partner Uli Kringler auf die Bühne holt. Ab da jagt ein Ohrwurm den nächsten, oft kann mitgesungen und mitgeschnipst werden. Es erklingen sanfte poetische Balladen wie "We cant be together", satter Blues wie "Blue Tattoo" oder energiegeladener Rock \'n\' Roll wie "Thats why God made Saturday Night" - allesamt Titel, die in größeren Bandarrangements durchaus Chart-Stürmer-Potenzial hätten. Eine wunderschöne Gänsehautversion von Aretha Franklins "All the Kings Horses" ist auch dabei. Das Lied ist Teil eines Konzeptalbums, in dem Dawson nur Songs von Frauen adaptiert hat.
Insgesamt schöpft der Musiker aus einem Repertoire von 21 CD-Einspielungen seiner 36 Jahre währenden Karriere. Zu hören ist der mitreißende Chart-Hit "How can I sleep without you" von 1991, als er in Köln arbeitete und sich mit Wolfgang Niedecken anfreundete. An seine Zeit in Nashville erinnern Titel im Country-Stil wie der bissig-ironische Kommentar zur Thatcher-Ära "We\'ve been through Fire".
Uli Kringler bereichert die Stücke mit meisterhaftem Fingerpicking-Spiel und Slide-Effekten mit dem Bottleneck. Dawson greift zwischendurch zur Mundharmonika oder zur Ukulele. Doch nicht musikalische Qualität und Vielfalt allein bringen Abwechslung und Kurzweil - es sind auch Dawsons Witz und Entertainertalent, die den Abend zum Genuss machen. Ob der gebürtige Londoner in flüssigem Deutsch Anekdoten über seine Zeit in einem katholischen Jungeninternat in York erzählt oder davon, wie eine Marketing-Agentur ihm viel Geld für den simplen CD-Titel "Julian Dawson live" aus der Tasche zog, Spaß ist garantiert, die Stimmung entsprechend gut. "Klasse", lautet das Urteil der Zuhörer. ae