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Ein neuer Stern am Chanson-Himmel

Ein neuer Stern am Chanson-Himmel

Zaz\' Gutlaune-Lied "Je veux" läuft im deutschen Radio rauf und runter, das erste Album der Chanson-Sängerin landete in Belgien und Frankreich auf Platz 1. Am 9. Oktober kommt die 31-Jährige in die Luxemburger Philharmonie - die Karten waren blitzschnell ausverkauft.

Luxemburg. Im Interview erzählt Zaz von ihrer musikalischen Karriere und warum sie sich nicht für Politik begeistern kann. Mit Isabelle Geffroy alias Zaz sprach TV-Mitarbeiter Walter Liederschmitt. Sie nennen sich Zaz, hat das eine bestimmte Bedeutung?Zaz: Das Alpha und das Omega. Der letzte Buchstabe des Alphabets, der erste - und wieder der letzte. Alles, was geboren wird, muss auch mal sterben - um zu etwas Anderem wiedergeboren zu werden. Um dann nochmal zu sterben, nochmal geboren zu werden. Es ist der ewige Kreislauf, dieser Zyklus. Und da ist mein Vorname: I-sa-belle. Also: Zaz.Ihr Vater stammt aus der Bretagne, mit neun Jahren sind Sie ins Departement Côtes-d\'Armor gezogen. Bedeutet Ihnen die bretonische Musik, diese Art im Kreis zu tanzen, etwas?Zaz: Nein. Ehrlich gesagt, kenne ich das nicht so gut, ich habe es nicht gelernt. Ich hab zugeguckt, als ich noch jünger war, ich hab auch versucht, da mitzumachen, aber wenn man da nicht hinein geboren ist … Ich finde es aber gut, wenn alle so zusammen tanzen, ich mag die Energie, die da entsteht. Jetzt sind Sie 31. als Sie 20 Jahre alt waren, welche Musik haben Sie da gemocht? Zaz: Merkwürdigerweise haben wir zu Hause eigentlich keine Musik gehört. Ich erinnere mich nur an einen Plattenspieler, wo manchmal jemand "Die Vier Jahreszeiten" von Vivaldi auflegte. Oder "Peter und der Wolf" von Prokofjew. So mit 13, 14 Jahren hörte ich dann Metallica. Weil ich eine Freundin hatte, die Fan von Metallica war. Und dann, während meiner Zeit in Bordeaux, Noir Désir! Die liebe ich. Die Texte, die Musik, wunderbar! Das hat wirklich Stil, eine ganz eigene Handschrift.Sie haben in Bordeaux eine Schule für Gesangsausbildung besucht und dort mit anderen Schülern eine Band gegründet. Haben Sie dort zu der Musik gefunden, die Sie jetzt machen? Zaz: Ja, unbedingt. Am Ende bin ich angerufen worden, um bei einem Kabarettorchester vorzusingen. Wir waren 16 Leute, davon vier Sängerinnen im Paillettenkleidchen, mit hohen Absätzen - es war total surrealistisch! Und es war das erste Mal, dass ich fürs Singen bezahlt wurde. Aber nach zwei Jahren war ich es leid, weil ich nichts mehr dazulernte, immer nur dieselben Schlager. Ich wollte in eine Gruppe gehen, wo komponiert wurde! Wie haben Sie Kerredine Soltani, den Produzenten Ihres Albums "Zaz", kennengelernt?Zaz: Ich habe auf eine Annonce im Internet geantwortet: "Suche kaputte Stimme, rockig." Er hat für mich "Je veux" geschrieben, sobald wir ins Gespräch gekommen waren. Darin spricht er mir aus der Seele, weil ich das Kabarett verlassen hatte, denn es ist letzten Endes nicht das Geld, das ich zu meinem Glück brauche. Man muss auf sich selbst vertrauen, sich selbst auch mal trauen, um irgendwie aufzublühen. Über eines Ihrer Konzerte wurde geschrieben: "Ihre Texte wollen ein Gefühl von Ermutigung und Stärkung in Liebesdingen vermitteln."Zaz: Wow!Ist das Ihre Nachricht? Zaz: Ich glaube ja, das stimmt. Und auf einer noch tieferen Ebene: Ich glaube, dass jeder Mensch ein gewichtiges Element des Lebens ist, und dass jeder irgendwo verantwortlich für dieses Leben ist - und schließlich auch dafür, wie man es lebt … Die politische Seite in Ihren Versen ist dafür weniger klar ... Zaz: Na ja, Politik spricht mich nicht an - in dem Sinne, dass nicht wirklich konkret gehandelt wird, wo es wichtig wäre. Mit Nicolas Sarkozy als Präsident gibt es doch viel Widerstand.Zaz: Na ja, der ist schon \'ne Nummer für sich. Wie im Zirkus. In einem Ihrer Songs heißt es "Ein bisschen nach rechts - ja! Ein bisschen nach links - nein!" Sind Sie sich darüber im Klaren, dass man das politisch missverstehen kann? Zaz: Aber ich spiele doch damit. Ich spiele überhaupt viel. Und bei den Konzerten sage ich manchmal: Ich verlasse mich auf niemanden. Und dann setze ich ab - weil ich doch gerne auf jemand zählen können würde - und dann rufen die Leute: Aber wir, wir sind doch da! Und das ist dann wirklich gut, weil ich mir sage: Ja, ihr seid es! Nicht die Politiker, die Politik überhaupt, das ist ein Ausdruck, ein Wort geworden, das unserer Scheiß-egal-Haltung gegenüber so vielem entspricht. Aber die Gesellschaft sind doch wir! Und wenn man unzufrieden ist mit dem, was man hat, muss man etwas tun, sich zusammenschließen. Was sehen Sie im Fernsehen?Zaz: Ich habe keinen Fernseher, weil ich finde, dass nichts Interessantes darin vorkommt. Da gibt es andauernd Bilder der Angst. Und irgendwie ist das eine Art, die Leute gefangen zu halten - schlau und subtil. Denn je mehr Angst du hast und dir Sorgen machst, umso mehr konsumierst du! Und je mehr du konsumierst, um so mehr kaufst du dir Sachen, um diese Angst und dieses Manko wettzumachen. Und so funktionierst du in dieser Gesellschaft, in der man viel, sehr viel zu konsumieren hat. Und glaubt, Dinge zu brauchen, die man überhaupt nicht nötig hat. LIEDZaz kommt am Sonntag, 9. Oktober, 20 Uhr, in die Luxemburger Philharmonie. Das Konzert ist ausverkauft.