Ein perfekter Abend

Wo Max Raabe mit seinem Palast-Orchester gastiert, können die Veranstalter üblicherweise die "Ausverkauft"-Schilder rausstellen - egal, ob in der New Yorker Carnegie Hall oder auf der Berliner Waldbühne.



Das ist auch in Luxemburg nicht anders: Hoffnungsfroh strömt das Publikum in die Philharmonie in "Heute Nacht oder nie", und die Erwartungen werden nicht enttäuscht. Das wäre auch unwahrscheinlich angesichts eines in jeder Nuance durchgestylten und von der ersten bis zur letzten Sekunde perfekt geplanten Abends.

Für Improvisation ist da wenig Platz, dafür sind die Stücke zu kurz und zu kompakt. Jede Bewegung sitzt, das Licht strahlt in strengem Uni, selbst vermeintliche Pannen sind präzise einstudiert. Max Raabe hat sein Rollenspiel als unterkühlter, mit minimaler Mimik auskommender, trocken-satririschen Humor zelebrierender Entertainer perfektioniert. Zwei Posen und ein Gesichtsausdruck reichen für zwei Stunden und drei Zugaben - ohne dass es dabei irgendwie langweilig wird.

Die Stilisierung ist gleichzeitig auch eine Zurücknahme. Im Mittelpunkt steht eindeutig die großartige Schlager-Musik der späten 20er und frühen 30er Jahre. Swing, Walzer, Pasodoble, Film-Song, Liebeslied: Jeder Titel wird angesagt, kein Komponist und Texter vergessen. Raabe ist, ähnlich wie Götz Alsmann für die 50er, ein Schatzgräber, der dankenswerterweise ein reichhaltiges Repertoire dem Vergessen entreißt.

Zum Glück ist er inzwischen bekannt genug, um sich zunehmend Raritäten widmen zu können. Aber natürlich fehlen auch Veronikas Lenz und der kleine grüne Kaktus nicht. Schließlich soll die Mischung so perfekt funktionieren wie der saftige, aber nie überbordende Sound, den das 12-köpfige Orchester so brillant produziert.

Am Ende reichlich Beifall und hohe Zufriedenheit. Für jene Art von Begeisterung, die einen Saal erbeben lässt, war der Auftritt vielleicht einfach zu perfekt.dr

Dieter Lintz

Max Raabe und das Salon-Orchester in der Philharmonie

Ein perfekter Abend

Wo Max Raabe mit seinem Palast-Orchester gastiert, können die Veranstalter üblicherweise die "Ausverkauft"-Schilder rausstellen - egal, ob in der New Yorker Carnegie Hall oder auf der Berliner Waldbühne. Das ist auch in Luxemburg nicht anders: Hoffnungsfroh strömt das Publikum in die Philharmonie in "Heute Nacht oder nie", und die Erwartungen werden nicht enttäuscht. Das wäre auch unwahrscheinlich angesichts eines in jeder Nuance durchgestylten und von der ersten bis zur letzten Sekunde perfekt geplanten Abends. Für Improvisation ist da wenig Platz, dafür sind die Stücke zu kurz und zu kompakt. Jede Bewegung sitzt, das Licht strahlt in strengem Uni, selbst vermeintliche Pannen sind präzise einstudiert. Max Raabe hat sein Rollenspiel als unterkühlter, mit minimaler Mimik auskommender, trocken-satririschen Humor zelebrierender Entertainer perfektioniert. Zwei Posen und ein Gesichtsausdruck reichen für zwei Stunden und drei Zugaben - ohne dass es dabei irgendwie langweilig wird. Die Stilisierung ist gleichzeitig auch eine Zurücknahme. Im Mittelpunkt steht eindeutig die großartige Schlager-Musik der späten 20er und frühen 30er Jahre. Swing, Walzer, Pasodoble, Film-Song, Liebeslied: Jeder Titel wird angesagt, kein Komponist und Texter vergessen. Raabe ist, ähnlich wie Götz Alsmann für die 50er, ein Schatzgräber, der dankenswerterweise ein reichhaltiges Repertoire dem Vergessen entreißt. Zum Glück ist er inzwischen bekannt genug, um sich zunehmend Raritäten widmen zu können. Aber natürlich fehlen auch Veronikas Lenz und der kleine grüne Kaktus nicht. Schließlich soll die Mischung so perfekt funktionieren wie der saftige, aber nie überbordende Sound, den das 12-köpfige Orchester so brillant produziert. Am Ende reichlich Beifall und hohe Zufriedenheit. Für jene Art von Begeisterung, die einen Saal erbeben lässt, war der Auftritt vielleicht einfach zu perfekt.dr Dieter Lintz