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Ein Projekt, das sich gelohnt hat

Fast kommt es zum Brudermord zwischen Karl (Uli Bonk, links) und Franz (Jürgen Ulbricht). TV-Foto: Anke Emmerling
Fast kommt es zum Brudermord zwischen Karl (Uli Bonk, links) und Franz (Jürgen Ulbricht). TV-Foto: Anke Emmerling
Tolles Projekt, tolles Ergebnis, diese Bilanz lässt sich nach einer von 220 Zuschauern begeistert aufgenommenen Premiere von Schillers "Die Räuber" in der Aula der Berufsbildenden Schulen ziehen. Junge Arbeitslose waren die Hauptdarsteller der fesselnden Szenen-Collage, die vom Theater Trier in Kooperation mit Palais e.V. und unterstützt von Nikolaus-Koch-Stiftung, Agentur für Arbeit und Stadt Trier erarbeitet wurde. Von unserer Mitarbeiterin Anke Emmerling

Trier. Jungen Menschen ohne Arbeit über das Theaterspiel wichtige Schlüsselqualifikationen zu vermitteln ist Inhalt eines in Trier erstmals gestarteten Projekts, aus dem die Teilnehmer viele wichtige Erfahrungen mitnehmen (der TV berichtete). Nun hat das Ergebnis ihrer Arbeit anderen die Erfahrung eines packenden Theater erlebnisses beschert, eine gelungene Umsetzung des für Laiendarsteller sehr anspruchsvollen Stoff: "Die Räuber" von Friedrich Schiller. Darin will der zweitgeborene intelligente Franz mit einer bösen Intrige seinem attraktiven erstgeborenen Bruder Karl Erbfolge und Braut streitig machen, treibt Karl ins Räuberdasein, wird selbst zum Tyrannen und begründet mit all dem den Untergang der Familie. Regisseur Alexander May und die Theater-Pädagogen Ingo Fromm und Elke Reiter hatten bewusst diesen Stoff gewählt.

Vor allem die stimmige und überzeugende Darstellung der Hauptcharaktere und ihrer Entwicklung bestätigte das. Uli Bonk wirkte als Karl nicht nur durch kraftvolle Bühnenpräsenz authentisch, sondern auch, weil seine Figur eigene Züge trug und sein Credo: "Warum soll ich mich verkaufen, ich nehme nur, was ich zum Leben brauche, ohne zu fragen", widerspiegelte. Ganz stark wirkte auch Jürgen Ulbricht als Franz. Dem von Statur zierlichen Darsteller nahm man die vom Intellekt gesteuerte Entschlossenheit seiner Rollenfigur vollständig ab. Ein Regiekonzept, das auf stringenten, aufs Wesentliche gestrafften Handlungsverlauf, vor allem aber zeitgemäße Adaptationen setzte, gab auch den anderen Darstellern, Vanessa Marschall, Sandra Morgen, Petra Longen, Jennifer Stumps und Angelina Neubert, viel Raum für überzeugendes Spiel zwischen Aufbereitung ihrer eigenen und der Dramenwelt.

Mit "Einer geht noch"-Gesang zu fröhlichem Biergelage der "Räuber" sorgten sie für Schmunzeln, mit in Schattentheater umgesetzten menschlichen Alpträumen aus Furcht, Verzweiflung und Selbstversklavung für Ergriffenheit. Getragen wurde die atmosphärische Dichte der von Tobias Sosinka dramaturgisch beratenen Aufführung durch die Ausstattung von Gekko Crawatzo. Er setzte sowohl beim ausdrucksstarken Bühnenbild aus Bauzäunen und Kabelrollen, eingespielten Video-Sequenzen und Kostümen auf den Kontrast von Schwarz und Weiß mit Blutrot für existenziell bedrohliche Entwicklung. Einen besonderen Stimmungsbeitrag zum Stück leisteten die Wengert Stompers Michael Kreft, Markus Mich und Wolfgang Zähringer mit Rhythmen auf Metallfässern, sowie Inken Kroker (Klarinette, Saxophon), Christian Mattes (Trompete), Helmut Mattes (Tuba) und Thomas Wirtz (Akkordeon) mit sphärischen Klangbildern. Auch sie waren als Räuber Teil des Stücks, ebenso die klare Linien vermittelnden pädagogischen Fachkräfte Nadine Velten und Rainer Disteldorf.

Das Ensemble hatte überdies prominente Unterstützung, Helmut Leiendecker, der den Vater der beiden Brüder spielte. Bravo-Rufe und kräftiger Applaus belohnten die sehenswerte Aufführung.