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Ein Rad aus Reben zum Nachdenken

Ein Rad aus Reben zum Nachdenken

Kunstschaffend in der Öffentlichkeit: Im Konzer Klostergarten bindet Werner Bitzigeio Reben aufs Rad und gestaltet damit das Verhältnis von Kunst und Wein.

Konz. Sommerzeit ist auch für Kunstschaffende Open-Air-Zeit. Heraus aus dem Atelier und ab ins Freie mit der Arbeit, heißt es da vielerorts zur Freude des interessierten Publikums. Auch in Konz gibt es derzeit solcherart Kunstschaffen quasi zum Anfassen. Im Garten des einstigen Klosters Karthaus hat Werner Bitzigeio ein riesiges Eisenrad aufgebaut, in das er Weinrebenstücke flicht.
Der Metallbildhauer aus Winterspelt in der Eifel, der seit längerem seinen Metallkonstruktionen organische Materialien wie Holz gegenüberstellt, dessen Naturform er nutzt und zum Teil nachbildet, verweist damit auf die Saar-Mosel-Region als Reben- und Weinbauland. Das tut er auch in seinen Rebholzkugeln, die in der Kloster-Galerie in einer reizvollen Ausstellung zu sehen sind.
"Hier durchdringen sich zwei Räume", sagt Bitzigeio über seine aktuelle Arbeit auf der Wiese. Womit er gleichermaßen den von Reben durchdrungenen Raum der Eisenkonstruktion meint wie die Verbindung von Kultur und Natur. Wobei die Weinkultur bereits ein Stück gezähmte Natur ist und im besten Fall sogar als angewandte Kunst gelten darf.
Künftiger Platz am Kreisel



Ein wenig erinnert Bitzigeios Anliegen an den unverbesserlichen Romantiker Goethe, der in der Kunst immer die Natur suchte. Vorerst sieht das Ganze allerdings noch aus wie ein ausgebautes riesiges Rad mit Achse oder ein stilisierter Kreisel. Mit Letzterem hat die Arbeit am Ende wirklich etwas zu tun. Nach ihrer Fertigstellung soll sie auf einem Kreisel in Konz-Roscheid platziert werden. Ganz sicher wäre sie genauso gut in der Grünanlage mit ihren reizvollen Lichtverhältnissen aufgehoben.
Bis es so weit ist, sind erst einmal 3000 Reben aus den Bischöflichen Weingütern zu verarbeiten. Und da geht es zu wie bei anderen Handwerkern mit Bohrmaschine und allerhand Werkzeug. Keine Frage: Handwerkliches Können tut hier not. Allerdings: "Der wichtigste Teil der Arbeit findet in meinem Kopf statt", stellt Bitzigeio klar. Was man ihm aufs Wort glaubt. Zwei Konzer Bürger bleiben vor dem angefangenen Kunstwerk stehen: "Ich habe gehört, das ist Kunst", sagt der eine. Worauf sein Begleiter meint: "Damit muss man sich beschäftigen. Das ist was Ernstes."
Wer will, kann dem Künstler noch bis zum 18. August beim Arbeiten zusehen. Täglich etwa von 9 bis 12 Uhr sowie nachmittags ab 14 Uhr ist Werner Bitzigeio vor Ort. Die Finissage ist am 19. August um 18 Uhr.