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Ein rauschendes Fest der Sinne

Ein rauschendes Fest der Sinne

Die Ausstellung italienischer Meisterwerke des 17.Jahrhunderts, die im Luxemburger Nationalmuseum für Geschichte und Kunst eröffnet wurde, gehört zum Prächtigsten, was seit langem hierzulande an Bildern zu sehen war, Leihgaben italienischer Banken. Bis zum 17. Mai sind die Barockbilder in der Ausstellung "Zwischen Heiligem und Profanem" zu sehen.

Luxemburg. Schwelgen ist angesagt beim Anblick der Meisterwerke, die für kurze Zeit ihre Tresore verlassen durften und jetzt ein rauschendes Fest aus Farben, Dynamik und Sinnenfreude veranstalten. Die Fülle des Barocks tut sich auf, jene Epoche tiefster Innerlichkeit und höchster Ekstase, in der sich - worauf der Titel der Schau hinweist - Weltenlust und Himmelssehnsucht verbinden.

Es ist die Zeit, in der die Kunst menschlich wird und der Himmel auf die Erde kommt, erfahrbar mit den eigenen Sinnen. Man muss sich nur die plastischen weichen Leiber der Heiligen und des Jesuskindes ansehen, die scheinbar fühlbaren Stoffe oder Guido Renis großartigen Moses, dessen roter Mantel das Bild befeuert. "Was nicht der Wirklichkeit entspricht, ist nichtig", hat der große Caravaggio festgestellt. In Spadarinos wunderbar intimem Bild mit dem Engel gleicht der Himmelsbote dem kleinen Jungen von nebenan, der sich ein Buch vorlesen lässt. Nur dass der nicht so hinreißend blaue Flügel hat. Das Barock ist aber auch die große Zeit der Feste, des Pomps, des Theaters. All das geht - wie hier zu sehen - in die Malerei ein. Das Bild wird zur Inszenierung von Leidenschaft und Rausch. Jede Linie gerät in Bewegung.

Die barocken Italiener sind Meister der Dramaturgie, der Lichtregie. Sie verstehen sich auf Hell-Dunkel-Wirkungen, auf Innenwelten, die sich in Gebärde und Mienenspiel veräußerlichen. Wer in Allessandro Tiarinis Bild "Rinaldo und Armida", die weiße, entblößte Brust Armidas und ihren angstvollen Blick sieht, hat schon das ganze Drama verstanden.

In sieben Abteilungen ist die Schau geordnet, deren Bilder zum Teil aus so bedeutenden Sammlungen stammen wie denen der italienischen Adelsfamilien Pallavicini und Barbarini.

Es geht um die Kraft des Mythos, um Altarbilder, Heiligenlegenden und weltliche Gleichnisse, Historienmalerei, Dichtung und Porträt. Zu den Höhepunkten gehören die Bilder von Guido Reni, Lorenzo Pasinellis wunderbarer entwaffneter Amor, Luca Giordanos "Susanne und die Alten", Rutilio Manettis Hl.Sebastian, Battistellos großartige "Heilige Familie" und Bernadino Meis "Fortuna zwischen Tugend und Notwendigkeit".

Musée National d'Histoire et d'Art, Marché-aux-Poissons, Luxemburg-Stadt, Telefon 00352/47 93 30-1

Bis 17. Mai, Di - So 10-17 Uhr, Do bis 20 Uhr.