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Ein Scherz, der nachdenklich macht

Ein Scherz, der nachdenklich macht

New York, London oder Tokio sind die normalen Stationen, an denen man Musiker von Weltruf antrifft. Aber auch in Trier war im Kurfürstlichen Palais ein international renommiertes Ensemble zu erleben: das Daedalus Quartet.

Trier. Die großen Konzertveranstalter der Region, wie etwa das Mosel Musikfestival oder die Luxemburger Philharmonie, verschaffen den Musikfreunden immer wieder Begegnungen mit weltberühmten Künstlern. Aber auch die kleinen Anbieter können mit großen Namen glänzen, wie jetzt die Kammermusikalische Vereinigung, die niemand geringeres als das Daedalus Quartet aus New York schon zum zweiten Mal im Kurfürstlichen Palais zu Gast hatte. Auch dieses Mal hatten die Geigerinnen Min-Young Kim und Matilda Kaul, die Bratscherin Jessica Thompson und Cellist Thomas Kraines ein Programm mitgebracht, dass manches Herz höher schlagen ließ.
Faszinierendes Zusammenspiel


Nicht nur Joseph Haydns Quartett Es-Dur und Ludwig van Beethovens Quartett, Opus 127,12, ebenfalls in Es-Dur, lösten begeisterten Applaus in Triers guter Stube aus. Auch Alban Bergs Opus 3 fand ob der beispielhaften Ausführung lebhafte Zustimmung.
Bei Haydns Nr. 2 aus dem Opus 33 ließ das Ensemble deutlich die Nachdenklichkeit des Werkes durchscheinen, auch wenn es den Beinamen "Der Scherz" trägt. Beethovens Komposition gelang ihnen fast zu einer Sinfonie. Ausdrucksvoll, jede Figur mit eigenem Charakter und doch das gesamte nicht aus dem Blick verlierend. Und auch die vergleichsweise herbe Sprache Bergs fand bei Daedalus eine Umsetzung, die nachvollziehbar und verständlich war. Wenn auch Kims Ton an manchen Stellen etwas zu scharf aus dem Gesamtklang hervorstach, so war das Zusammenspiel des Quartetts doch faszinierend. Beachtenswert deshalb, weil Kaul und Kraines erst seit kurzem dem Ensemble angehören und sich offensichtlich nahtlos eingefügt haben. Daedalus gehört weiter zur Weltspitze und wird hoffentlich weiterhin auch in Trier zu Hause sein. gkl