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Ein Schlagerstar zum Anfassen

Ein Schlagerstar zum Anfassen

Wahlösterreicher, Herzensbrecher und Schlagersänger: Der aus Argentinien stammende Semino Rossi verführte seine Fans am Samstagabend in der Arena Trier. Präsentiert wurde das Konzert vom Trierischen Volksfreund.

Trier. Ein Abend, der für pochende Herzen bei vielen Besuchern und vornehmlich Besucherinnen sorgt. Zunächst kurz vor Beginn des Konzerts, als sich ein Werbeschild in der Höhe aus der Verankerung löst und im Eingangsbereich krachend zu Boden geht - glücklicherweise ohne Schaden anzurichten.

Wenige Minuten später dann der pünktliche Konzertbeginn. "Ich will mich überraschen lassen", sagt ein Mann aus Holzerath, der die Eintrittskarte geschenkt bekommen hat. "Mal sehen", fügt er schmunzelnd hinzu, "ob ich Semino Rossi für den heimischen Musikverein werben kann."

Träume werden an diesem Abend einige wahr. Nicht nur für die Fans, die ihre Lieblingsmusik hören, sie dürfen auch einen Schlagersänger zum Anfassen genießen. Berührungsängste kann man Rossi, der den Dresscode eines Versicherungsvertreters pflegt, wahrlich nicht nachsagen.

Haufenweise nimmt er zwischen den Liedern rote Rosen, Schokolade und Pralinen in Empfang - auch von belgischen und luxemburgischen Fans. Und haucht mal einen Kuss auf die Wange einer Verehrerin, der daraufhin ein emphorisches "Juchuh!" entfährt.

Charmant und oft mit Selbstironie plaudert Rossi aus seinem Privatleben. Ob er zum Einkaufen war oder ein Konzert gegeben hätte, wolle seine Frau oft von ihm wissen, spielt Rossi auf die Geschenkeberge an - und wird prompt mit weiteren Naschereien bedacht.

"Ich bin verblüfft", meint eine Besucherin überrascht über den Zuspruch der 2800 Zuschauer, die ihren Star in der Arena verehren. Schließlich ist Rossi hierzulande noch nicht so lange bekannt. 1962 als Omar Ernesto Semino in Argentinien geboren, kam er als 23-Jähriger über Spanien nach Österreich. Zunächst war Semino Rossi Straßenmusikant und verdiente sein Geld als Sänger in Hotels, heißt es in seiner Vita.

In Deutschland wurde Rossi 2004 durch einen Auftritt im Musikantenstadl mit Karl Moik bekannt. Es folgten in der Schlagerszene begehrte Auszeichnungen wie etwa der Amadeus Austrian Music Award, der Echo, die Goldene Stimmgabel und die Krone der Volksmusik. Zuletzt erhielt der Familienvater zwölf Goldene Schallplatten.

Sein aktuelles Programm "Die Liebe bleibt", für das Rossi am Samstagabend schon nach wenigen Stücken rauschenden Beifall erntet, bedient nicht nur die Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe.

Vielmehr zeigt sich auch ein Sänger, der sein fraglos vorhandenes sängerisches Potenzial weiter ausbauen sollte: Ein auf Quechua vorgetragenes traditionelles Lied hebt sich eindrucksvoll vom Rest ab.