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Ein Spielplatz für die Kunst

Ein Spielplatz für die Kunst

Er gehört mit seinem Einfallsreichtum, seiner Experimentierfreude und auch mit seiner zupackenden Art zu den Säulen der Trierer Kunstszene. Im vorigen Jahr hat Laas Koehler seinen eigenen "Spielplatz für die Kunst" eröffnet. Der KM9 in der Karl-Marx-Straße macht Besuchern wie Besitzer viel Freude.

Trier. Mit der Bezeichnung Galerie für seinen Kunstraum hat Laas Koehler nun gar nichts am Hut. Ein weißer Raum mit Bildern an der Wand, vor denen ein paar Eingeweihte in stiller Andacht verharren, ist nicht das Ding des aus Berlin zugezogenen Konzeptkünstlers. Seit jeher setzt der Wahl-Trierer bei seinen Projekten auf Lebendigkeit, Kommunikation und Interaktion mit dem Publikum. Jeder soll mitmachen, und jeder darf mitmachen, lautet seine Devise.
Das gilt selbstredend auch für seinen neuen KM9. "Dein Kunstraum im Karl-Marx-Viertel", wie der Künstler mit handlichem Slogan sein Projekt bewirbt. Im vorigen Juni hat er in Eigeninitiative das ehemalige Ladenlokal in der Karl-Marx-Straße, von dessen Leerstand er durch Freunde erfahren hatte, renoviert und als Kunstraum eingerichtet. Inzwischen ist der Raum mit den zierlichen historistischen Säulen an der Vorderfront eine etablierte Adresse.
Der langgestreckte Raum mit dem rückwärtigen Nebenraum ist zugleich Begegnungs-, Schau- und Arbeitsraum sowie Treffpunkt für Kunstinteressierte und solche, die es werden wollen. Vor allem aber soll er als "Spielplatz der Kunst" Freude, Spannung und jede Menge Denkanstöße bieten.
Ein künstlerisches Spielkind im besten Sinne ist Laas Koehler seit jeher. Immer wieder lässt seine Lust am Spiel ihn Neues wagen, experimentieren und auch mal künstlerische Purzelbäume schlagen. Ebenso wie er leidenschaftlich spielt, ist der Ex-Berliner allerdings auch ein Macher. Hat er einmal ein Projekt, scheut er keine Mühe, es schnellstmöglich in die Tat umzusetzen. Schon vor dem Kunstraum-Projekt hatte er eine lange Liste von Initiativen vorzuweisen, die vom einstigen Kunst-Kombinat über Aktionen wie dem Matratzenlager in der Trierer Tufa bis zu aufwendigen Installationen reichen. Und auch für seinen Kunstraum galt: "Ich musste einfach starten."

Was die Welt bewegt ...


Dass "der Laas" ein Pragmatiker ist, der nicht lange theoretisiert, sondern kurzentschlossen die Dinge in die Hand nimmt, bestätigt Nelly Stockburger, eine "Stammkundin" des KM9, die an diesem Nachmittag zu Besuch kommt. "Laas ist unbedingt glaubwürdig", lobt die kunstbegeisterte Psychologin. Gemütlich ist es jedenfalls in dem hellen Raum. Geradezu gutbürgerlich grüßt Karl Marx' Konterfei nach Art von Andy-Warhol-Porträts überm weißen Kamin vor der rot gepunkteten Wand ( alles zusammen eine Installation des Künstlers). An der Bar daneben lässt es sich angenehm plauschen. Wer es eher tiefer gelegt schätzt, für den steht eine plüschige Sitzecke bereit. Und unlängst war im Rahmen der Ausstellung "War is over" zwecks künstlerischer Demonstration des Friedens sogar ein Bett im Kunstraum aufgestellt, in das der Künstler lud.
Seine Themen bezieht Koehler stets aus dem Alltag und der Tagesaktualität. "What goes around, comes around" - Justin Timberlakes Liedzeile hat er da gleich zur Hand. Sie ist Koehler Programm. Was die Welt bewegt, bewegt den KM9. Ob das nun "Hallo-Wien" (verballhornter Halloween), Dada, der Krieg oder die Trierer Debatte ums männliche Gemächte ist: im KM9 findet es sich wieder.
Ganz wichtig ist Koehler die Kommunikation mit und zwischen seinem Publikum. Neben dem Ausstellungsbetrieb werden daher Events ganz großgeschrieben. Dazu gehören "Art Talks", Vorträge, Lesungen und Spiele wie "Stadt-Land-Kunst". Und wenn's passt, kocht der Chef auch mal selbst.
Bislang ist Koehler mit der Resonanz zufrieden. Auch an diesem Donnerstagnachmittag geht es lebhaft im Kunstraum zu. Die einen wollen noch eben die Fotos von Daniel Schieben und die Installation "Polybeach" des Hannoveraners Christoph Eheleben sehen (bis 5. März), die anderen schauen nur mal vorbei.
Eine Bereicherung fürs Viertel und die Stadt ist der Kunstraum allemal. Und dass es Koehler weder an Aktualität noch an Dauerbrennern fehlt, beweist schon die nächste Ausstellung. "Männer", das ewige Thema, stehen mit Simone Buschs Fotografien auf der Agenda.Extra

Die nächste Ausstellung: Simone Busch, "RaumMann 1.0", Fotografien, Vernissage am Sonntag, 13. März, 15 Uhr. KM 9, Karl-Marx-Straße 9, Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 14 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 0175/3790276, <%LINK auto="true" href="http://www.facebook.com/laaskoehlerkm9" text="www.facebook.com/laaskoehlerkm9" class="more"%> er