Ein Stern, viele Sternchen

Ein Stern, viele Sternchen

Drei Stunden Musik mit vielen Künstlern - das ist das Konzept der "Schlagerhits des Jahres". 1100 Besucher sind am Donnerstag zum Konzert in die Trierer Arena gekommen. Sie erleben Stars, Sternchen und einen Stern, der alle überstrahlt.

Trier. "Ich bin halt ein Auslaufmodell", sagt Andreas Martin, als ihm der Schweiß über die Stirn rinnt. Der 60-jährige Schlagersänger nimmt es mit Humor und Selbstironie, dass er kein ganz junger Hüpfer mehr ist. Vor seinem Auftritt hat er noch in einer Loge sechs Gewinner der Volksfreund-Verlosung begrüßt und dabei Hände geschüttelt, Sekt eingeschenkt und CDs signiert - ein Star zum Anfassen.
Martins Debütsingle "Amore mio" war zugleich sein größter Erfolg. 1982 war das. Platz 25 in den Charts. Im Geschäft ist er bis heute, ganz nach vorn hat er es nie geschafft.
Das gilt auch für andere, die mit in der Arena dabei sind: Claudia Jung zum Beispiel (bestplatzierte Single: "Je t\'aime, mon amour", 1994, Rang 29) oder Bernhard Brink (größter Erfolg: "Liebe auf Zeit", 1977, Platz 13). Brink wirbelt energiegeladen über die Bühne, so als gelte es, sich in den 20 Minuten seines Auftritts so auszupowern wie sonst in einem ganzen Konzert. Alle Künstler geben einen Querschnitt aus aktuellen Titeln und Liedern der vergangenen Jahrzehnte zum Besten.
Insofern ist der Titel der "Schlagerhits des Jahres" nicht ganz treffend, denn die aktuellen Stars sind andere - Helene Fischer zum Beispiel, die zur selben Zeit in Berlin den Musikpreis Echo in Empfang nahm. Weil bei der Preisverleihung auch das Duo Fantasy - bekannt geworden als Vorgruppe von Andrea Berg - anwesend war, wurde es im Programm durch die Deutschland-sucht-den-Superstar-Teilnehmerin Anna-Maria Zimmermann ersetzt.
Insgesamt ist der Abend zwar unterhaltsam, zum wirklich großen Schlager-Erlebnis reicht es aber nicht: Gesungen wird zwar live, aber die Musik kommt vom Band - genauso wie die Stimme des Moderators.
Aber apropos Helene Fischer: Aus deren Begleitband stammt die gebürtige Armenierin Maria Voskania. Zweimal hat die junge Frau, die privat lieber Beyoncé und Coldplay hört, bereits an einer Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest teilgenommen - einmal in Armenien, einmal in Deutschland. Ob sie zum Shooting Star wird, das wird sich zeigen.
Neu aufgegangen ist zumindest der Stern von Michelle, die nach bereits verkündetem Karriereende jetzt wieder auf der Bühne steht.
Ein Stern jedoch überstrahlt am Schlagerhimmel all die vielen Sternchen, die ihren Zenit größtenteils schon überschritten haben: "Der Stern, der deinen Namen trägt" von Nik. P. Unter den 1100 Besuchern in der Arena ist dabei die Stimmung auf dem Höhepunkt, jetzt wird mitgeklatscht und mitgetanzt.
Als nach gut drei Stunden die Lichter ausgehen, leuchten immerhin noch die Sterne am Trie rer Nachthimmel.