Ein Tatort, der ganz anders ist

Ein Tatort, der ganz anders ist

Fernsehkrimis gibt es viele. Doch was macht einen guten Krimi aus? "Interessant ist immer, wenn die Geschichte eine größere Tür aufmacht", sagt Barbara Philipp.

In der Tatort-Folge „Kassensturz“ spielt die Wittlicherin eine Supermarktmitarbeiterin. In dem Film geht es um Arbeitsbedingungen bei Discountern.

Also nicht die Geschichte im kleinen familiären Rahmen, sondern wenn das Verbrechen in einem Umfeld passiert, in dem es um etwas Größeres geht.
Barbara Philipp muss es wissen. Die Schauspielerin aus Wittlich, die heute in Berlin lebt, hat schon in vielen Krimiserien mitgespielt, auch häufig bei der ARD-Reihe Tatort. In der Reihe, die seit 40 Jahren im deutschen Fernsehen läuft, gehen verschiedene Teams in verschiedenen Städten auf Verbrecherjagd. Jetzt gehört Philipp zum festen Stamm der Ermittler. Als Magda Wächter unterstützt sie Ulrich Tukur, der in der Rolle von Felix Murot in Hessen seine Fälle löst.
Philipp räumt ein, dass diese große Geschichte rund um den Mord in der Realität zwar eher die Ausnahme ist, das mache die Sache aber spannend. Ein Tatort, in dem Barbara Philipp eine Mitarbeiterin eines Supermarkts spielt, zeigt die teilweise schlimmen Arbeitsbedingungen bei einigen Discountern auf. Nur ein Beispiel für ein größeres Anliegen der Krimiserie. In anderen Folgen geht es um illegale Einwanderer, Gammelfleisch oder Menschenhandel, Themen, die oft beim nachfolgenden Polittalk im Ersten aufgegriffen und diskutiert werden.
"Die eigentliche Ermittlungsarbeit ist ja langweilig", sagt Barbara Philipp. Dieses Frage-Antwort-Spiel "Wo waren Sie gestern Abend gegen zehn Uhr?" sollte nicht zu viel Platz einnehmen. Interessant sei es natürlich, wenn alle lange im Dunkeln tappen, die Lösung eben nicht naheliegend ist. Die nächste Folge, in der sie selbst wieder die Magda Wächter spielt, wird am 4. Dezember ausgestrahlt. Erst vor kurzem hat sie selber den fertigen Film angeschaut. Für einen Schauspieler immer ein spannender Augenblick. "Er ist in seiner Art großartig geworden, im Stile der alten Edgar-Wallace-Filme", urteilt sie.
Das Besondere beim hessischen Tatort: Tukurs Figur Felix Murot ist ein Einzelgänger, der gegen einen Tumor in seinem Kopf kämpft. Das führt manchmal zu absurden irrealen Szenen, wenn sich Realität und Phantasie mischen.
Barbara Philipp spielt die Mitarbeiterin des Einzelgängers, die so ganz anders ist als andere Se kretärinnen in den, wie Philipp sagt, typischen femininen Wickelkleidern oder burschikosen Cargohosen. Magda Wächter ist eher altmodisch gekleidet und hat ihren eigenen Stil. Dass das gelungen ist, habe sie auch der Kostümbildnerin zu verdanken, die sich mutig für dieses Outfit eingesetzt habe. Eingekleidet wurde die Figur bei modernen, vor allem bei jungen Leuten angesagten Läden.
Über die Handlung des nächsten Tatorts möchte die Schauspielerin noch nichts sagen. Nur soviel: Er wird ganz anders als erwartet. Nora John
Barbara Philipp wurde 1965 in Wittlich geboren und lebt heute in Berlin. Die Schauspielausbildung machte sie an der Berliner Fritz-Kirchhoff-Schule und in den New Yorker HB-Studios. Ihre erste Serienrolle spielte Barbara Philipp 1997 in "Die Kids von Berlin". Neben einigen Fernsehfilmen ("Liebesluder", "Klassentreffen" oder "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki") spielte sie auch in vielen Krimiserien im Deutschen Fernsehen mit. Beim Tatort war sie unter anderem schon Mörderin, Prostituierte, Supermarktangestellte und jetzt Mitarbeiterin des Ermittlers. Für ihre Rolle in der Folge "Das Böse" war sie für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. In diesem Jahr hat sie bei vier Folgen des "Kriminalisten" die Staatsanwältin gespielt. Auch bei einer Folge von "Ein starkes Team" und bei "Soko Wismar" ist sie zu sehen. noj