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Ein traumhafter Alptraum

Ein traumhafter Alptraum

TRIER. Die Arena macht's möglich: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Revue können wir Trier besuchen", jubelte die "Holiday on Ice"-Sprecherin bei der Begrüßung. Die dann folgende Zweieinhalb-Stunden-Show sorgte auch beim Publikum für Jubel-Stimmung.

Die Geschichte beginnt, wie die meisten, im Bett. Ein junger Mann hat einen Alptraum. Graue Gestalten mit durchsichtigen Regenschirmen treiben ihn vor sich her. Blitzschnell ist die Eisfläche von 30 Akteuren bevölkert, die sich, einer unsichtbaren Ordnung folgend, in atemberaubendem Tempo kreuz und quer bewegen - erstaunlicherweise, ohne sich zu berühren. Dann ist es mit dem Grau vorbei, der restliche Abend ist ein Rausch von Farben. Zwölf Szenen entführen das hingerissene Publikum quer durch Ort und Zeit zu Schauplätzen der Fantasie. Die wilden Sechziger mit ihrem Flower-Power-Look, ein Pariser Straßencafé, ein indischer Tempel, eine amerikanische Piano-Bar oder eine in feuerrotes Licht getauchte Höhle: Reichlich Futter für die Augen, aufwändige Kostüme, ab und zu hart an der Grenze zum Kitsch - aber nur ganz am Schluss mal drüber hinaus. Man merkt, dass die Show nicht aus Amerika stammt, sondern von Londoner Westend-Profis konzipiert wurde. Ein stimmiger, erstaunlich geschmackssicherer Mix aus Eislauf, Magie, Märchen, Akrobatik und Show, voran getrieben von einem exzellenten Soundtrack. Erstaunlich, was da alles unter einen Hut passt: Ein Klassiker wie "Karneval der Tiere" von Saint-Saëns untermalt eine Schulunterrichts-Szene, Vivaldis "Vier Jahreszeiten" liefern den Rahmen für eine Bilderstory, Edith Piafs "Hymne à l'amour" illustriert eine poetische Liebesgeschichte. Pop-Kracher von Stevie Wonder bis Robbie Williams fehlen ebenso wenig wie Beach Boys oder The Who. Das alles wird mit neuen Arrangements tanzbar gemacht, ohne dass dabei eine beliebige Hintergrund-Sauce entsteht. Die ganz großen Eisläufernamen sind in Trier nicht vertreten. Aber das tut dem sportlichen Teil der Leistung keinen Abbruch. Formschöne Doppel-Axel gibt's reihenweise zu sehen, ab und zu tupfen die Läufer auch mal einen dreifachen Flip oder Toeloop dazwischen - selbst die schwierige Biellmann-Pirouette fehlt nicht. Manche Figuren und Schrittfolgen kommen einem bekannt vor, erinnern an den Superstar der 80er Jahre, Robin Cousins. Und sieh' an, das Programmheft verrät es: Der Olympiasieger hat das aktuelle Programm choreographiert. Fast schon zu viel Nervenkitzel verursachen die spektakulären Hebefiguren beim Paarlauf: Schließlich ist die Eisfläche zeitweilig ganz schön ramponiert, und man bangt - zum Glück unnötigerweise - mit den Läuferinnen, die zwei Meter über dem Eis in ein rasendes Drehmoment versetzt werden. Es gelingen erstaunlich poetische Szenen, aber auch die großen Kostüm-Spektakel. Genial "zusammengeklaut": Da lässt mal der "Cirque de Soleil" grüßen, dann wieder lugen "Starlight Express" oder "Herr der Ringe" um die Ecke. Das Tempo ist enorm, die logistische Leistung auch. Das Publikum honoriert's: Nach dem letzten Ton dauert es keine zehn Sekunden, bis die Halle steht. Vorstellungen am Samstag um 14, 17.30 und 21 Uhr, am Sonntag um 14 und 17.30 Uhr.