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Ein Übermaß an Cholesterin ist schlecht fürs Hirn

Ein Übermaß an Cholesterin ist schlecht fürs Hirn

Eine Ursache der Alzheimer-Demenz liegt möglicherweise in einem Cholesterinüberschuss im Gehirn. Cholesterin kurbelt dort einen Stoffwechselprozess an, an dessen Ende schließlich die für diese Demenz typischen Plaques entstehen.

Homburg. Am Anfang stand die Frage nach dem Warum. Warum entsteht in Nervenzellen Amyloid-Beta, das Protein, aus dem sich im Laufe von Jahrzehnten die typischen Alzheimer-Plaques formen, die dann das Gehirn zerstören? "Diese Substanz muss auch sinnvolle Funktionen im Stoffwechsel haben. Danach haben wir vor zehn Jahren zu suchen begonnen", beschreibt Marcus Grimm den Startpunkt seiner Alzheimer-Forschung an der Universität des Saarlands. Der Leiter des Labors für Experimentelle Neurologie fand heraus: "Amyloid-Beta verhindert in den Nervenzellen die Bildung von Cholesterin." Cholesterin wiederum, das in den Zellwänden reichlich vorhanden ist, kurbelt die Entstehung von Amyloid-Beta aus einer APP genannten Vorläufersubstanz an. "Wir haben hier einen typischen Regelkreis der Natur gefunden", so Marcus Grimm. Entsteht in einer gesunden Zelle zu viel des Alzheimer-Proteins, wird als Folge die Cholesterin-Produktion heruntergeregelt, was in der Konsequenz wiederum die Amyloid-Produktion eindämmt. Der Stoffwechsel pegelt sich dank dieses Mechanismus auf einem gesunden Gleichgewichtszustand ein. Gelangen nun allerdings von außen zusätzlich große Mengen Cholesterin zu den Nervenzellen, geht dieses Gleichgewicht verloren, es entsteht zu viel Amyloid-Beta in den Zellen und als dessen Folge steigt wiederum das Alzheimerrisiko.
Die Forscher suchten in Tierversuchen mit Mäusen nach einem Ausweg aus diesem Dilemma - und wurden bei den Phytosterolen fündig. Von diesen Substanzen erfüllt eine, das Stigmasterol, ähnliche Funktionen wie das Cholesterin in den Membranen der Nervenzellen, bremst dort aber die Entstehung des Alzheimer-Proteins. Die Hirnzellen von Mäusen, die viel von dieser Substanz in ihrem Futter hatten, produzierten weniger Amyloid-Beta, so Grimm. np