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Ein wahres Schatzkästlein

Ein wahres Schatzkästlein

Klausen . Nach 200 Jahren Dornröschenschlaf öffnet die Klosterbibliothek in Klausen wieder ihre Türen. Etwa 2000 Bücher aus dem 15. bis 18. Jahrhundert können ab dem 15. Januar im alten Bibliotheksraum in der Wallfahrtskirche bewundert werden.

Die Renovierung der Klosterbibliothek in Klausen (Kreis Bernkastel-Wittlich) ist abgeschlossen. Sie wird am Sonntag, 15. Januar, im Rahmen eines Festaktes eröffnet. Die 1491 erbaute Bibliothek war Teil einer Klosteranlage der Augustiner Chorherren aus der Windsbacher Kongregation, einem reformierten Orden aus den Niederlanden. Der Orden war sehr strengen Regeln unterworfen, jeder Ordensbruder hatte sich täglich vier Stunden mit dem Abschreiben von Büchern zu befassen. Daraus resultiert der große Bestand an Büchern, der mit 180 Handschriften und 139 vor 1500 entstandenen Frühdrucken (so genannten Inkunabeln) innerhalb des Erzstiftes Trier zu den größten zählte.In mühevoller Kleinarbeit restauriert

Die Bibliothek befindet sich über der Sakristei der Wallfahrtskirche in Klausen. Der Raum enthält ein Kreuzgewölbe, dessen Rippen im Mittelpunkt des Raumes auf einer Säule ruhen. Die Spitzbogenfelder der Wandflächen sind mit spätgotischen Wandmalereien bedeckt, die 19 geistliche und weltliche Herrscher zeigen. Zusammen mit dem Kloster wurde die Bibliothek im Jahre 1802 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. Bauliche Veränderungen am Kloster und der angrenzenden Wallfahrtskirche führten zu Rissen in Dach und Mauerwerk der Bibliothek. Dadurch wurden sowohl die Wandmalereien als auch die Bücher in Mitleidenschaft gezogen. Von verschiedenen Seiten wurde über Jahrzehnte immer wieder auf die notwendige Renovierung hingewiesen. Doch erst im Jahr 1999 kam Bewegung in die Angelegenheit, als der damalige Klausener Pastor Heinz-Josef Babiel erste Restaurierungsmaßnahmen einleitete und sich ein Freundeskreis zur Erhaltung der Klosterbibliothek gründete. Die Bücher wurden vorübergehend ins Priesterseminar nach Trier gebracht, gereinigt und vom Pilzbefall befreit. Die Wandmalereien wurden in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Der Raum wurde angemessen klimatisiert und mit neuen Bücherschränken versehen. Da der original erhaltene Boden nicht mehr begangen werden darf, wurden darüber Holzstege verlegt. Die Kosten der Renovierung belaufen sich auf über 300 000 Euro. Einen Großteil der Summe brachten neben dem rührigen Freundeskreis das Landesamt für Denkmalpflege, das Land Rheinland-Pfalz und die Nikolaus-Koch-Stiftung auf. Für Brigitta Enders vom Landesamt für Denkmalpflege in Mainz ist die Klosterbibliothek ein "Schatzkästlein, das in der Region nur noch mit der Cusanusbibliothek in Bernkastel-Kues vergleichbar ist". Gewöhnlich assoziiere man mit dem Begriff Klosterbibliothek eine barocke Atmosphäre. Der Raum in Klausen zeige jedoch, wie eine Bibliothek im 15. Jahrhundert ausgesehen hat. Diese "Aura aus früherer Zeit" stelle die Besonderheit der Klausener Klosterbibliothek dar. Die feierliche Eröffnung der Klosterbibliothek findet am Sonntag, 15. Januar, im Rahmen eines Festaktes statt. Allerdings ist an diesem Tag der Besuch der Bibliothek nur für die geladenen Gäste gestattet, da maximal 15 Personen gleichzeitig die Bibliothek betreten dürfen. Termine für spätere Führungen werden noch bekannt gegeben. Im Rahmen der Eröffnung erfolgt auch die Vorstellung des "Eberhardsklausener Arzneibuchs aus dem 15. Jahrhundert", dessen handschriftliche Texte im Kloster aufbewahrt wurden. Es enthält Abschriften der im späten Mittelalter wichtigsten medizinischen Texte. Nachdem Hoffmann von Fallersleben im 19. Jahrhundert das Arzneibuch untersucht hatte, wurde der Text nun vom Trierer Historiker Volker Henn und Nachwuchsforschern der Universität Trier als Edition veröffentlicht. www.klosterbibliothek-klausen.de