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Ein Wettstreit jenseits aller Routine

Ein Wettstreit jenseits aller Routine

Spannende und zugleich künstlerisch ergiebige eineinhalb Stunden: Die drei erstplazierten Teilnehmer am Hermann-Schroeder-Orgelwettbewerb haben sich im Trierer Dom noch einmal der Fachjury gestellt. 150 Orgelfreunde waren dabei und vergaben am Ende einen Publikumspreis. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Mosel-Musikfestivals statt.

Trier. Es war, als sei die Luft im Trierer Dom elektrisch geladen. Die fast geräuschlose Aktivität der Organisatoren, die Vorbereitungen der Jury, die leisen, oft fachkundigen Gespräche - all das addierte sich im Finalkonzert des 7. Hermann-Schroeder-Orgelwettbewerbs zu einer Erwartungs-Intensität, wie sie normalen Orgelkonzerten völlig fremd ist.
Über die Befindlichkeit der drei Teilnehmer(innen) lässt sich nur spekulieren. Aber obwohl sie in jedem Fall einen Preis sicher hatten und nur noch über die Platzierung entschieden wurde - dass es bei Jun Byung Park (Jahrgang 1992) aus Südkorea, der Deutschen Annette Fabriz (1990) und Anna Jadwiga Pikulska (1985) aus Polen um viel, um sehr viel ging, lässt sich unschwer ausmalen. Alle hatten als Pflichtstück Hermann-Schroeders "Te Deum Trevirense" zu spielen, außerdem eine große Choralbearbeitung von Bach und ein orgelsinfonisches Werk nach eigener Wahl.
Wettbewerbskonzerte folgen eigenen Gesetzen. Während im normalen Konzert die künstlerische Überzeugungskraft zählt und effektvolle Unschärfen nicht unbedingt ein Problem sind, geht es im Wettbewerb um Genauigkeit und Sensibilität, um technisches Können und künstlerisches Gestalten - und zudem um seelische Belastbarkeit.
Kein Wunder, dass bei den Teilnehmern die Wettbewerbs-Spannung hörbar präsent war. Byung Park ging den improvisationsnahen Beginn des "Te Deum" mit einer Tendenz zur Statik an. Bei Annette Fabriz trat ein Regis-trierproblem auf, sie musste abbrechen und einen zweiten Anlauf nehmen. Die Jury (Johannes Geffert, Anne Froidebise, An dreas Rothkopf, Josef Still und Alain Wirth) allerdings beeilte sich zu erklären, dass dieses Manko bei der Bewertung keine Rolle spiele, denn: "So etwas kann jedem und überall passieren." Nur die deutlich ältere Anna Jadwiga Pikulska warf ihre Erfahrung in die Wagschale und erhielt prompt den Publikumspreis. Dass vor allem die jüngeren Teilnehmer angesichts der knappen Vorbereitungszeit nicht alle Möglichkeiten der Domorgel ausnutzen konnten, verwundert nicht.
Der Jury fielen die Entscheidungen sichtlich schwer: Sie überzog die vorgegebene Beratungszeit von 15 Minuten erheblich. Schließlich vergab man den 1. Preis (4000 Euro) an Jun Byung Park, der 2. Preis (2000 Euro) ging an Anna Jadwiga Pikulska und der 3. Preis an Annette Fabriz (1000 Euro). Ein Förderpreis ging an den 20-jährigen Polen Christoph Ostrowski.
Die Juroren hatten die drei Finalteilnehmer bereits je zweimal bei den Vorausscheidungen gehört. Da liegt die Vermutung nahe, dass sie nicht allein die Final-Auftritte bewertete, sondern auch Potenzial und künstlerische Perspektiven. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Entscheidung für den jüngsten Teilnehmer nachvollziehbar. Niemand sonst in diesem Konzert offenbarte bei Bachs "Schmücke dich, o liebe Seele" bis in die Verzierungen hinein eine derart liebevolle Sorgfalt. mö