1. Region
  2. Kultur

Eine Abenteuerreise zu Beethoven beim Trierer Familienkonzert

Klassische Musik : Eine Abenteuerreise zu Beethoven beim Trierer Familienkonzert

Die „Eroica“ mit Wouter Padberg und den Philharmonikern begeisterte im Trierer Familienkonzert sowohl die großen als auch die kleinen Zuschauer.

Es hätte auch anders auslaufen können. Peter und der Wolf, Hänsel und Gretel, Pinocchio, Dornröschen – das sind Kompositionen zum Anfassen – griffig, anschaulich, kindgerecht und manchmal sogar spektakulär. Aber Beethovens „Eroica“? Die ist eine vergleichsweise abstrakte Materie. Kein Wunder, dass das Theater mit rund 500 Personen gut besetzt, aber nicht gerade überfüllt war.

Aber dann steigt Wouter Padberg aufs Dirigierpodium und begibt sich mit dem jungen Publikum auf eine schwierige, manchmal gefährliche und am Ende doch höchst erfolgreiche Reise zu Beethoven und dessen 3. Sinfonie. Von Anfang an distanziert sich der Trierer Kapellmeister von akademischem Ballast. Er zügelt den Ehrgeiz, alles erklären zu wollen, alles verständlich zu machen und begibt sich stattdessen kopfüber in die Musik. Was auf dem Trierer Podium abläuft, sind keine abstrakten Konstruktionen. Es sind markante Klang-Ereignisse – die Oboe mit ihrem wunderbaren Thema im ersten Satz, die Hörner mit ihrem warmen Glanz, die Kontrabässe im düsteren Trauermarsch. „Da kommt die Musik nach Hause“, sagt Padberg, wenn eine Passage die Grundtonart erreicht. Padberg fordert die Zuhörer, lässt längere Abschnitte auch ohne Unterbrechung durchspielen.

Und es spielt sich ein kleines Wunder ab. Die jungen Menschen im Zuschauerraum, sie halten sich diszipliniert fern von aller Unruhe. Sie hören bei dieser nicht ganz einfachen Thematik konzentriert zu. So konzentriert, wie man es im Zeitalter von flimmernden Bildschirmen und anderen elektronischen Ablenkungen gar nicht glauben möchte.

Für viele im Konzert ist Musik eine vertraute Sprache. Als Wouter Padberg fragt, wer ein Instrument spielt, da gehen in überraschend großer Zahl die Arme hoch. Und wenn er den Dirigierstab weiterreicht, steht glatt ein Dutzend im Publikum auf, um mal selber zu dirigieren. Da überwiegen natürlich die Versuche. Aber die Jung-Dirigenten können sich doch mit einfachen Gesten verständlich machen, und das Orchester folgt ihnen willig. Überhaupt: Die Trierer Philharmoniker verlassen sich nicht auf ihre Routine. Sie spielen diese nicht ganz einfache Musik sorgfältig aus – prägnant, transparent und blitzsauber.

Am Ende war die Begeisterung ganz allgemein: Jeder applaudierte jedem – auf der Bühne und bei den Zuhörern. Und das aus gutem Grund. Sie haben diese Abenteuerfahrt zu Beethovens Musik alle gemeinsam bestanden.