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Eine brasilianische Sommernacht in Wittlich

Eine brasilianische Sommernacht in Wittlich

Zwar nicht das geplante Open Air Erlebnis, dafür aber das Flair heißer Sommernächte am Zuckerhut hat das Saisonabschlusskonzert des Jazzclubs Wittlich im Hotel Lindenhof vermittelt. Das "Fesperanto Trio" um den Berliner Ausnahmesänger Peter Fessler heizte rund 100 Zuhörern mit brasilianischen Klängen ein.

Wittlich. Das Bedauern mancher Gäste, dass das Konzert des Peter Fesperanto Fessler Trios witterungsbedingt vom Garten in den Saal des Hotels Lindenhof verlegt wurde, ist schon bald nach seinem Auftakt wie weggeblasen.
Wer die Augen schließt, wähnt sich im warmen tropischen Regenwald, umgeben von wundersamen Tierlauten, rhythmischen Knackgeräuschen oder sanftem Rauschen. Zum atmosphärischen Zauber, den Alfonso Garrido seinen teils exotischen Perkussionsinstrumenten entlockt, gesellen sich filigran gezupfte Melodielinien von Peter Fesslers akustischer Gitarre und seine einprägsame Stimme. Komplettiert mit Piano-Harmonien und meisterhaften Mundharmonika-Improvisationen von Berthold Matschat formt sich feinster Bossa Nova, der in seiner Authentizität auf die Tradition legendärer Meister wie Joao Gilberto verweist.
Das kommt nicht von ungefähr. Fessler hat schon als 12-jähriger Unterricht in Jazz und brasilianischer Musik genossen, später mit der Latin-Band Trio Rio den nach seinen musikalischen Stationen benannten Hit "New York, Rio, Tokyo" gelandet und aktuell mit Alfonso Garrido längere Zeit in Sao Paulo verbracht.
Anfangsversprechen wird wahr


Und so sind es nicht nur die Titel wie "Postcard from Brazil" oder "Estate", die die Glut brasilianischer Sommerhitze transportieren. Vier-Sterne-Musik in einem Vier -Sterne-Haus, das augenzwinkernde Anfangsversprechen von Fessler wird im Programm aus Eigenkompositionen und berühmten Klassikern wie "All the Things you are" oder "Girls of Ipanema" wahr.
Es ist ein feuriges wie entspanntes Musikerlebnis, das kaum an Virtuosität zu übertreffen ist. Die Stimme Fesslers springt mühelos über vier Oktaven, klingt mal hoch und klar, mal im tiefen Reibeisenbass. Sie ist enorm wandlungsfähig, findet immer die richtige Phrasierung, ob für sphärische Ballade oder eher instrumental aufgefasstes Rhythmusstück.
In Scat-Passagen, die denen seiner ehemaligen Bühnenpartner Al Jarreau oder Bobby Mc Ferrin ebenbürtig sind, wie auch in verblüffend echt klingenden Vokal-Posaunensoli geriert sie sich geradezu selbst als Instrument.
Mit klanglich oft fließenden Grenzen glänzt daneben Alfonso Garridos vitale und fantasievolle Perkussionsarbeit. Traumwandlerisch sicher platziert der Weltmusiker und Dozent an der Musikhochschule Köln immer den richtigen Effekt an der richtigen Stelle. Ganz locker und dabei Freude versprühend wirbelt er über die Saite der Berimbau, Glocken, Rasseln oder Häute seiner Trommeln. Das macht Spaß und reißt mit.
Das begeistert aufgenommene Konzert schließt mit echter Vokalartistik: Peter Fesper mimt in atemberaubend schnellen Rhythmus-Gesang aus Lautsilben einen Sprach-Vortrag über Jazz. Grandios.