"Eine gute Wahl"

Bei der Neubesetzung des Trierer Generalmusikdirektors sind die Würfel etwas früher gefallen als ursprünglich angekündigt.

 Daniel Carter.
Daniel Carter. Foto: Martin Möller (mö) ("TV-Upload M?ller"

Trier Statt erst das Pfingstfest abzuwarten, machte die Findungskommission schon am Freitag reinen Tisch und schlug Jochem Hochstenbach als Trierer Generalmusikdirektor (GMD) vor. Wie man hört, soll die Entscheidung einstimmig gefallen sein. Unter solchen Umständen reduziert sich das Votum des Trierer Stadtrats am 28. Juni wohl mehr oder minder auf eine Formalie.
Eine Überraschung war es ohnehin nicht. Nachdem Jochem Hochstenbach bei seinem Bewerber-Sinfoniekonzert am 30. März in der allgemeinen Begeisterung geradezu baden konnte und auch das Orchester tatkräftig seine Zustimmung bekundete, gehörten keine prophetischen Künste mehr zur Prognose: Der wird Generalmusikdirektor in Trier. Erstaunlicher ist da schon, dass auch die allgemeine Skepsis ausblieb, die im Trierer Musik- und Theaterleben nicht selten Personalentscheidungen begleitet. Dafür lief das Verfahren trotz einigen Zeitaufwands dann doch ausgesprochen glatt.
Im Nachhinein lässt sich deutlich absehen, dass alles auf den niederländischen Dirigenten und Ersten Kapellmeister in Bern hinauslief. Bereits der Blechbläser-Auftritt am Ende von Hochstenbachs Bewerber-Sinfoniekonzert am 30. Mai war eine eindeutige Demonstration. "Mit der Wahl von Hochstenbach sind die Wünsche des Orchesters eins zu eins umgesetzt worden", sagte Orchestersprecherin Ursula Heckmann, die auch Mitglied der Findungskommission war. Hochstenbach habe "fein mit dem Orchester gearbeitet".
Auch von anderen Seiten sind die Signale rundum positiv. Er habe im Sinfoniekonzert nur den letzten Teil mit Schuberts Dritter hören können, sagte der Mainzer GMD Hermann Bäumer, gleichfalls Kommissionsmitglied. Was er da erlebt habe, sei einfach "grandios" gewesen. Schließlich tun sich nach ungefähr zehn Jahren mit Victor Puhl für manche Orchestermusiker auch neue künstlerische Perspektiven auf. Gerade Hochstenbachs Kompetenz bei Schubert und wahrscheinlich auch bei Mozart und Beethoven seien beste Voraussetzungen für Programme mit klassisch-frühromantischem Schwerpunkt, heißt es aus dem Orchester. Damit würde der neue GMD auch in der Programmpolitik neue Seiten aufschlagen. Schließlich trifft das ausdrückliche Bekenntnis des niederländischen Dirigenten zur Förderung von Ensemblebildung und Ensemblearbeit im Theater auf offene Ohren.
Der designierte Trierer Generalmusikdirektor reagierte auf die erfreuliche Nachricht seiner Ernennung eher nachdenklich. Er freue sich selbstverständlich, erklärte er. Im Hinblick auf die anstehenden Vertragsverhandlungen und den ausstehenden Stadtratsbeschluss wolle er indes von allen inhaltlichen Stellungnahmen absehen. Erste Gespräche mit Kulturdezernent Thomas Schmitt seien bereits für kommende Woche vorgesehen. Das Auswahlverfahren bezeichnete er als "ausführlicher als üblich", aber als letztlich unproblematisch. Jochem Hochstenbach soll im Sommer 2018 seine neue Stelle antreten. Er kam über die Stationen Wien, Linz und Karlsruhe nach Bern. Mit seinen 46 Jahren ist er erfahren genug, um Katastrophen am Theater möglichst zu vermeiden, und jung genug, um neue Konzepte zu entwickeln und zu erproben. Welche das sind, steht noch in den Sternen. Aber bis zum offiziellen Stellen-Antritt ist ja noch mehr als ein Jahr Zeit.
Daniel Carter, der auf dem undankbaren zweiten Platz gelandet ist, bedauerte im TV-Gespräch zwar diese Entscheidung. Andererseits sei er auch stolz, dass er mit gerade mal 27 Jahren in die GMD-Endrunde gekommen sei. Carter gratulierte seinem Kollegen Hochstenbach zum Wahlergebnis: "Ich freue mich für den Jochem." Und er findet auch für das Bewerbungsverfahren nur freundliche Worte. "Eine gute Zeit war das für mich." Und das Orchester sei "echt freundlich" zu ihm gewesen.