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Eine kleine Portion Heinz Becker steckt in jedem Menschen

Eine kleine Portion Heinz Becker steckt in jedem Menschen

Ein ausverkaufter Lokschuppen an einem Donnerstagabend? Das geht, wenn Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker in Gerolstein sein neues Programm "Sackgasse" spielt.

Gerolstein. Heinz Becker ist latent rassistisch, extrem frauenfeindlich - vor allem, wenn es um seine Gattin Hilde geht - und reißt Witze über Schwule und Behinderte. Politisch inkorrekt nennt man das heute und verkennt, dass eine kleine Portion Heinz Becker in jedem steckt. Menschen, die sonst einen weiten Bogen um Kneipen machen, aber wissen wollen, was an deutschen Stammtischen die Gehirnwindungen so mancher Zeitgenossen verlässt, sollten sich Dudenhöffers Programm "Sackgasse" unbedingt anschauen. Der Humor des 62-jährigen Kabarettisten aus dem Saarland ist abgrundtief böse und bissig, und sein Alter Ego Heinz Becker, in Batschkapp und kleinkariertem Hemd auf der Bühne sitzend, ist das perfekte Medium: der sprichwörtliche kleine Mann, der keine Ahnung, aber zu allem eine Meinung hat.
Dabei verstrickt und verheddert sich Heinz Becker, der seine liebe Not mit Fremdwörtern hat und kaum einen Satz zu Ende bringt, in Halb- und Unwahrheiten: "Der Phillip Rösler - das könnte doch ein unehelicher Sohn vom Genscher sein", erzählt er in breitem Saarländisch und zieht daraufhin über Deutschlands Politiker vom Leder, dass es eine Wonne ist. Stammtischgeschwätz vom Feinsten, das meist in einem Satz mündet, bei dem das Lachen im Hals stecken bleibt: So als er die Erfahrung einer kinderlosen, lesbischen Frau in Sachen Erziehung mit der Leistung Wolfgang Schäubles als Tanzlehrer vergleicht.
Wenn Kleinbürger denken


"Aber so etwas darf man ja heutzutage gar nicht sagen, sonst kommt die Alice Schwarzer und dreht den Strom ab", schwadroniert Heinz Becker. "Wobei: Wenn die kommt, bin ich froh, dass das Licht nicht brennt."
Ostdeutsche, Franzosen, Hundeliebhaber und Bundespräsident Gauck, dessen Vorgänger Wulff "ja wenigstens verheiratet war", kriegen ihr Fett weg. So geht es zu, wenn Kleinbürger denken - das ist lustig und beängstigend zugleich. Gerd Dudenhöffer, der tief in das verworrene Weltbild des kleinen Mannes Heinz Becker blicken lässt, hält den Spiegel vor. Oft genug ist das Bild, das er zurückwirft, unbequem vertraut.