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Eine kleine Stadt und das Leben: Tufa eröffnet mit Stück von Thornton Wilder neue Theater-Klassiker-Reihe

Eine kleine Stadt und das Leben: Tufa eröffnet mit Stück von Thornton Wilder neue Theater-Klassiker-Reihe

Zum Auftakt der neuen Theater-Reihe Tufa Classics, und als Beitrag zum Kultursommer Rheinland-Pfalz, hat Thornton Wilders 1938 uraufgeführtes Stück "Unsere kleine Stadt" vor 170 Zuschauern in der Tufa Trier Premiere gefeiert. Die Inszenierung von Karsten Müller zeichnete sich durch Werktreue und überzeugende Darstellerleistungen aus.

Trier. Die Bühne im Tufa-Saal wirkt spartanisch. Vor schwarzem Hintergrund sind nur ein paar schwarze Würfel und zwei Leitern angeordnet: "Ein bisschen Bühnenbild für die, die Bühnenbild brauchen", erklärt Johannes Metzdorf, der sich mit Claudia Stephen in Erzähler- und Moderatoren-Rolle abwechselt.
Distanzierte Erzählperspektive


Im ersten Akt von "Unsere kleine Stadt" stellen die beiden in trockenem Berichtston eine fiktive amerikanische Kleinstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor, nennen Straßen- oder Personennamen, eröffnen und beenden Spielszenen, die wie ein Guckkasten Ausschnitte aus dem Alltagsleben zeigen. Etwa Frühstück bei den Familien Gibbs und Webb, den täglichen Rundgang des Zeitungsboten oder der Milchfrau.
Dass das alles reichlich banal und belanglos wirkt, ist genauso Absicht wie die Nüchternheit der auch auf jegliche Requisiten verzichtenden Ausstattung. Regisseur Karsten Müller ist damit der Idee und den Regieanweisungen Thornton Wilders gefolgt, denen zufolge die Zuschauer über eigene Vorstellungskraft Parallelen zu ihrem Leben ziehen und ein wacheres Bewusstsein dafür entwickeln sollen.
Bereits im ersten Akt fallen Identifikation sowie Transfer ins hier und heute schwer. Zu angestaubt kommt die kleinbürgerliche Welt des Amerika um 1900 trotz ironischer Momente herüber. Für Distanz sorgen zudem die sachlichen Moderationen.
"Diese Stadt könnte auch Trier sein", hatte Regisseur Müller im Vorfeld gesagt - in diesem Punkt hätte die Inszenierung vielleicht "Übersetzung" leisten können. Zumal ein, die Stadt einbeziehendes multimediales Rahmenprogramm, sicher Stoff geboten hätte.
Schauspieler und Musik berühren


Die multimediale Aufbereitung des Stücks selbst beschränkt sich entgegen der Erwartungen mancher Besucher auf ein in Trier gedrehtes Video und Live-Musik-Begleitung von Sarah Wendt am Piano. Letztere, wie auch der Gesang des Frauenchors Polyhymnia, unterstreicht allerdings perfekt die Atmosphäre und Stimmung, die ab dem zweiten, vor allem aber im dritten Akt aufkommt.
Dort liegen mit der Heirat der Nachbarskinder George Gibbs (Karsten Lehmann) und Emily Webb (Katja Büdinger) sowie Emilys frühem Tod die Höhepunkte des Stücks. Von den Darstellern intensiv und berührend gespielt, verdichtet sich hier nichts weniger als das gesamte menschliche Dasein, der Kreislauf vom Aufwachsen bis zum Sterben. Haften bleibt das ausdrucksvolle Schlussbild vom Totenreich, aus dem Emily noch einmal auf die Erde zurückkehrt.
Sie stellt enttäuscht fest, mit welch nichtigen Dingen sich die Menschen in ihren Leben beschäftigen und vermittelt die Botschaft des Stücks, die Augen für die Welt zu öffnen. ae
Weitere Aufführungen am 7., 16., 21. und 28. Mai sowie am 6. Juni je um 20 Uhr. Informationen über das Stück und das multimediale Rahmenprogramm gibt es auf der Homepage
www.unsere-kleine-stadt.tv