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Eine Leidensgeschichte, mit Leidenschaft gespielt

Eine Leidensgeschichte, mit Leidenschaft gespielt

Die Premiere ist gelungen: Die Zuschauer der ersten Aufführung der Wintricher Passionsspiele 2012 feierten Schauspieler und Chormitglieder mit tosendem Applaus. Nach den beiden Aufführungen vom Wochenende wird bis Mitte Mai 21 weitere Male die Leidensgeschichte Jesu in der Kirche St. Stephanus gezeigt.

Wintrich. "Authentisch" - "Ergreifend" - "Toll": Bei der Premiere der Wintricher Passionsspiele fanden die Lobeshymnen der 330 Besucher über die gezeigte Aufführung kein Ende. In der Tat zogen die Amateurschauspieler die Zuschauer in der Wintricher St.-Stephanus-Kirche immer wieder in ihren Bann. Egal, ob Dirk Mertes als Jesus die Pharisäer aus dem Tempel warf, seinen Aposteln die Füße wusch oder am Kreuz litt; Eva Maria Schmitz als Maria Magdalena um Jesus bangte, oder Dirk Kessler als Judas im Zwiespalt zwischen Verrat und seiner Gier nach dem Geld steckte und anschließend von den versammelten Hohepriestern ob seiner Verzweiflung ausgelacht wurde - immer hatten die Zuschauer das Gefühl: Genauso könnte sich die Leidensgeschichte Jesu zugetragen haben.
In der Aufführung hatten die 88 Mitglieder des Chors eine besondere Rolle: Sie spielten gleichzeitig das Volk, das Jesus erst neugierig betrachtet, später aber vor Pontius Pilatus die Kreuzigung Jesu fordert. In der Mimik und dem Verhalten der Chormitglieder spiegelte sich das Geschehen in der Mitte der Bühne stets wieder. So entstanden in dem geordneten Durcheinander der Sänger zahllose kleine Nebenspielplätze, die immer wieder die Blicke der Besucher auf sich zogen.
"Das Einbinden des Chors ins Spielgeschehen ist eine Besonderheit der Wintricher Passionsspiele", sagte Dirk Kessler. Der Darsteller des Judas ist gleichzeitig Spielleiter und Regisseur. Seit einem Jahr hätten die Akteure ihre Rollen bis zu dreimal wöchentlich geprobt, sagte er. In den Jahren seit 1997, als die Passionsspiele in Wintrich nach 45 Jahren Pause erstmals wieder gezeigt wurden, ist die Gemeinschaft in dem knapp 1000 Einwohner zählenden Dorf eng zusammengewachsen, sagte Kessler. Sie werden im Abstand von fünf Jahren aufgeführt.
"Man hat mit der Passion ein Thema, über das man spricht, und wenn man sich im Dorf begegnet, zitiert man daraus", sagte Kornelia Engelhardt vom Organisationsteam der Passionsspiele. Nahezu jede Wintricher Familie ist ins Geschehen eingebunden und stellt Schauspieler, Sänger oder Helfer. "Aus unserer Familie stehen neun Personen auf der Bühne", sagte die 17 Jahre alte Veronika Beringhoff, eine der beiden Darstellerinnen des Satans. Ralf Kaspari als einen der beiden Darsteller des Jesu fasziniert das große Gemeinschaftserlebnis mit dem großen Chor und den 78 Sprechrollen. Die historischen Texte in "verdrehtem" Deutsch haben für ihn einen besonderen Reiz. "Ich bin durch die Passionsspiele zwar kein gläubigerer Mensch geworden, habe aber vieles aus der Religion besser verstanden", sagte er.
Für die Benefizaufführungen am 4., 5. und 6. Mai gibt es noch Karten. Für den 27. und 28. April sind noch einzelne Tickets erhältlich, alle anderen Vorstellungen sind ausverkauft. Weitere Infos: www.passionsspiele-wintrich.de
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Waren die Spiele bei der Neuauflage 1997 ein regionales Ereignis, kommen die Zuschauer heute von weit her. 42 Busgesellschaften haben sich angemeldet, darunter einige aus Schweden, der Schweiz und den Niederlanden. Anzahl der Schauspieler: 133 Anzahl der Chormitglieder: 88 Helfer hinter der Bühne (Maskenbildner, Bühnenbauer): 40 Weitere Helfer (Organisation, Bedienung, Erste Hilfe): 200 Anzahl der Aufführungen: 23 Zuschauer pro Aufführung: 333 Erwartete Zuschauerzahl aller Aufführungen: 7600cstExtra

Andrea Brück aus Heidelberg, 45 Jahre alt: Die Aufführung ist super, der Einsatz der Schauspieler ist beeindruckend. Ich bin mit meiner Tochter extra für die Passionsspiele aus Heidelberg angereist.Extra

Charlot Schmitt aus Hermeskeil (19): Ich schaue mir die Aufführung an, weil mein Bruder mitspielt. Ich finde das Spektakel auf der Bühne beeindruckend. (cst)/TV-Fotos (3): christoph StrouvelleExtra

Andrea Schlöder aus Longuich (46): Ich finde die Aufführung sehr authentisch. Man kann die Geschichte Jesu sehr gut nachvollziehen. Der Einzug des Chors zu Beginn war sehr ergreifend.