Eine New Yorker Band spielt in Konz

Reingehört – Hazmat Modine: „Box of Breath“ : Eine New Yorker Band spielt in Konz

Brass Blues – so lässt sich die von der New Yorker Band „Hazmat Modine“ kreierte musikalische Stilrichtung wohl am ehesten bezeichnen. Sie mischt dabei Blues, Soul, American Roots und World Music mit Jazz, Gospel, R&B sowie Folk und Klezmer. So auch auf dem neuen, vierten Studio-Album „Box of Breath“, das insgesamt 13 Songs beinhaltet.

Grundlage des Stils und somit auch dieser CD (Gesamtspielzeit: rund eine Stunde) ist der Blues. Zahlreiche Blasinstrumente stehen dabei im Vordergrund der sehr unterhaltsamen, äußerst vielschichtigen und auch tanzbaren Musik, die dem „melting pot“ (Schmelztiegel) New York entspricht. Die acht Musiker um Mundharmonikaspieler und Sänger Wade Schuman – darunter Gitarrist, Sänger und Ko-Komponist Erik Della Penna, Sousafonist John Daley, Posaunistin Reut Regev, Saxofonist Steve Elson sowie Trompeterin Pamela Fleming – haben jede Menge Raum zum Improvisieren und nutzen ihn umfangreich.

„Leben und Tod – es ist alles nur eine Atempause“, heißt es im Pressetext allgemein zu den Lyrics der CD. Und richtig: Die Songs von „Box of Breath“ beschäftigen sich alle mit Themen der Sterblich- und Menschlichkeit. Die Eröffnungsnummer „Crust of Bread“ ist ein urtümlicher Gesang, aufgebaut auf dem Fundament eines Grooves aus Mali in Afrika. Dieser wird – wie auch die nächsten Songs – folgerichtig unterstützt von einem Balafon-Spieler aus Mali.

Der Titelsong „Box of Breath“ (2) bietet inhaltlich die Geschichte eines Studio-Ingenieurs, der aus Tonaufnahmen die Momente des Atmens der jeweiligen Sprecher herausgeschnitten und sie letztlich auf einer großen Tonspur gesammelt hat. Da fällt deutschen Belletristik-Lesern doch sofort die Ähnlichkeit zu Heinrich Bölls Erzählung „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ aus dem Jahr 1955 auf! Das Lied „The Hoarder“ (4) handelt vom krankhaften Sammeln von Gegenständen, ist eher traurig und folglich in Moll gehalten. „Dark River“ (10) erweist sich als ein Schlaflied in Form eines Langsamen Walzers.

Wade Schumans Stimme bleibt dem Hörer lange im Ohr: Er bietet zumeist fragilen, häufig geradezu knarzenden Gesang, der sich aber bisweilen in ungeahnte Höhen zu schrauben vermag oder manchmal auch eher als Sprechgesang daherkommt. Die vielen Bläserpassagen der CD mit oft unerwarteten Einsätzen sind ein wahrer Ohrenschmaus. Anspieltipps: Neben „Crust of Bread“ (1) und „Box of Breath“ (2) auch „Deliveryman“ (11), das mit zahlreichen Tempowechseln aufwartet. Ein wirklich sehr gelungenes Album.

Jörg Lehn

CD: Hazmat Modine, Box of Breath, Jaro 4342-2, Jaro Medien, Bremen, Mai 2019.
Termin: Hazmat Modine, Konz, Freilichtmuseum Roscheider Hof, Freitag, 14. Juni 2019, Einlass 19 Uhr, Beginn 20.30 Uhr. Karten: Ticket Regional (www.ticket-regional.de).

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