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Eine Oper über die Oper

Guildo Horn studiert als Leporello einen Leporello. TV-Foto: Friedemann Vetter
Guildo Horn studiert als Leporello einen Leporello. TV-Foto: Friedemann Vetter
Für Opernfans und andere: "Leporellos Tagebücher" sind eine moderne Inszenierung für jedermann. Sympathisch und verständlich setzte das Gastspiel am Freitag im Theater Trier den Mozart-Stoff um. Von unserem Redaktionsmitglied Verena Schüller

Trier. Es ist von Anfang an nett, irgendwie sympathisch. Das Opulente, manchmal Arrogante, das der Oper oft anhaftet, lässt sich am Freitagabend im Großen Haus im Theater Trier nicht vorfinden. Die Premiere von "Leporellos Tagebücher", einer komprimierten Form von Wolfgang Amadeus Mozarts "Don Giovanni", beginnt mit technischen Problemen. Fabian Dobler, Pianist und musikalischer Leiter, entschuldigt in lockeren Worten die Verspätung. Um 20.10 Uhr kann es dann losgehen.

Doch mit Oper scheint das Geschehen zunächst wenig zu tun zu haben. Nur drei schwarze Podeste zieren die Bühne, davor sitzt das sechsköpfige Ensemble "Operassion" - alle schwarz gekleidet. Hinzu kommen die sechs schwarz gekleideten Komturen. Ab und an flackern über die große Leinwand im Hintergrund Fotos, Filme oder Texte. Eine moderne Inszenierung eben. Auf einmal poltert es aus den hinteren Zuschauerrängen, eine Taschenlampe flackert auf. Guildo Horn bahnt sich als Leporello auf der Flucht seinen Weg durch die Reihen. Gehetzten Blickes stürmt er auf die Bühne - und plötzlich ist man mittendrin. Da braucht es keine Vorkenntnisse, egal ob Mozart-Fan oder nicht - diese Handlung ist für alle geschrieben, die soll jeder verstehen, so die Intention Doblers.

"Meister" Horn bleibt volksnah



Aus der Sicht des Dieners Leporello wird die Geschichte seines "Chefs", wie er ihn nennt, Don Giovanni, erzählt.

Der amerikanische Bariton Douglas Yates, mit 30 Jahren erblindet, lässt Don Giovanni als italienischen Gigolo über die Trierer Bretter schlendern. Während er mit italienischem Operngesang das Publikum beeindruckt, verkörpert der "Meister" Horn volksnah den Diener in deutscher Sprache. Horns Stimme ist zwar nicht die eines ausgebildeten Opernsängers, aber das ist auch gut so. Denn nur dadurch können hier die Gegensätze zwischen dem skrupellosen, adligen Frauenheld Don Giovanni und seinem Diener Leporello, der ihm nachzueifern versucht, herausgearbeitet werden. Für die Musik sorgt das hervorragende Ensemble "Operassion", bestehend aus einer Violine, einer Klarinette, einem Violoncello, einer Posaune, einem Kontrabass und einem Klavier. Was zunächst nach einer kammermusikalischen Besetzung aussieht, erfüllt dennoch den ganzen Abend über das Große Haus. Es passt zur minimalistischen Ader dieser Oper. Immer wieder wird verdeutlicht, dass es sich hier um eine Oper handelt, "eine moderne Oper", wie Leporello selbst sagt. Horn baut im zweiten Teil sogar eine Flip-Chart auf - ganz der Lehrer - und erklärt dem Publikum vorab anhand eines verwirrenden Schaubildes das Verwechslungsspiel in der kommenden Szene. So werden "Leporellos Tagebücher" zu einer Oper über die Oper - und ihr Publikum, das Horn mit einem "IQ von 135 und drüber" beschreibt. Dafür, dass das Opern-Publikum auch über sich selbst lachen kann, lieferten die Zuschauer am Freitag den Beweis. Nach zwei Stunden endeten "Leporellos Tagebücher" mit einem Abspann, der wie im Kino über die Leinwand läuft, mit viel Applaus und mit einem wuseligen Chaos der Beteiligten beim Verbeugen. Einfach sympathisch.