Festival: Eine Premiere mit Rückkehrern

Festival : Eine Premiere mit Rückkehrern

Anspruchsvoller Pop, Texte mit Tiefgang, herausragende Live-Künstler – dafür steht das Station-K-Popfestival in Saarburg. Der TV stellt die Bands vor.

Das Festival in Gisbert zu Knyphausens alter Heimat ist längst kein Geheimtipp mehr. Am letzten Juli-Wochenende – von heute bis Sonntag – steht wieder das „Heimspiel Knyphausen“ an. Sehr idyllisch gelegen, im großen Familien-Weingut in Eltville am Rhein, gleich bei Wiesbaden. Schön familiär – und begehrt. Wer eine der 2500 Karten haben wollte, musste sie schon kaufen, bevor auch nur eine Band bekanntgegeben wurde. Das Festival war bereits im Oktober ausverkauft. Songwriter Gisbert zu Knyphausen wird vor Ort sein, wie immer. Spielen wird er beim „Heimspiel“ in diesem Jahr allerdings nicht. Was das mit dem Station-K-Popfestival zu tun hat, das am Samstag, 10. August, zum ersten Mal als Open Air in Saarburg (Alte Kaserne) stattfinden wird? Einiges. Das Programm ist ähnlich liebevoll zusammengestellt, die Zielgruppe ähnlich: Es richtet sich an Musikfans, die anspruchsvollen Indie-Pop und entspannte Festivals mögen, gerne auch deutsche Texte mit Anspruch. Die Unterschiede: Für Saarburg gibt’s noch Karten. Und Gisbert zu Knyphausen wird in Saarburg mit seiner Band auftreten. Wie auch Sophie Hunger, die schon zwei Mal als „Heimspiel“-Headliner spielte (und begeisterte!). Und wie PeterLicht, der ebenfalls einer der großen Pop-Lyriker des Landes ist.

Gisbert zu Knyphausen

Er schreibt Texte, die berühren. Die zu Herzen gehen. Die man laut rausrufen will oder leise in sich reinflüstern. Das unterscheidet Gisbert zu Knyphausen von vielen anderen, die mit Akustikgitarre und deutschen Texten unterwegs sind. Wobei: Auf seinem aktuellen Album „Das Licht dieser Welt“ fand er vor allem am Klavier zu den Songs. Und er singt auch mal auf Englisch, auch wenn ihm die deutschen Texte besser stehen. In der Region Trier hat Gisbert – bürgerlich: Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen – dank einiger denkwürdiger Live-Auftritte eine Menge von Fans. In seinen Anfangszeiten spielte er in der Tufa, später mal auf der Exhaus-Sommerbühne, auch mal in Saarburg. Im vergangenen Jahr trat er mit seiner Band in Losheim auf. Zwischen seinem zweiten Album „Hurra! Hurra! So nicht“ (2010) und „Das Licht dieser Welt“ lagen siebeneinhalb Jahre. Es geht um Einsamkeit, Trauer, Tod, aber auch um Geburt – um große Gefühle. Mit versöhnlichem Unterton und ohne das Worthülsen-Bingo vieler Kollegen. „Ich habe die Auszeit genutzt, mein Leben aufzuräumen“, sagte er im TV-Interview. „Ich kann jetzt glücklicher durchs Leben laufen.“ Einer seiner Klassiker, „Sommertag“, könnte dann aber zugleich die Hymne des Abends werden: „Den ganzen Unsinn werde ich nie verstehen, da hilft nur einatmen und vorwärtsgehen. Es ist ganz einfach – das Leben lebt, es ist ein wunderschöner Sommertag.“

Sophie Hunger

Sie singt auf Englisch, Deutsch, Schwyzerdütsch, Französisch. Verbindet Folk mit Pop, Rock mit Jazz-Elementen. Sophie Hungers neues Album ist zudem elektronischer als alle vorherigen. Und selbst wer mit „Molecules“ vielleicht fremdelte: Live ist die inzwischen in Berlin beheimatete Schweizerin so großartig wie immer. Das zeigte sie im Winter in der Region bei Auftritten in Luxemburg und Saarbrücken. „Beseelt, betäubt, bewegt, beglückt lässt Sophie Hunger ihr Publikum zurück“, schwärmte die Saarbrücker Zeitung nach Sophie Hungers Show in der „Garage“. Das dürfte auch in Saarburg nicht viel anders aussehen. Am Tag zuvor spielt sie beim hochgelobten „Haldern Pop“, gleich danach geht es für sie zum weltberühmten Sziget-Festival nach Budapest.

PeterLicht

„Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Sonnendeck ...“ Als der Song „Sonnendeck“ im Jahr 2001 zum kleinen Hit wurde, wusste man über PeterLicht nichts: Er gab keine Interviews, es gab keine Fotos, sein richtiger Name war unbekannt. Ein paar Jahre später hat der Kölner, der eigentlich Meinrad Jungblut heißt, die Anonymität aufgegeben. Auf angenehme Weise rätselhaft bleibt er aber bis heute: Auf dem aktuellen Album „Wenn wir alle anders sind“ zeigt er, dass er einer der interessantesten deutschen Popmusiker ist. In Saarburg wird er nach krankheitsbedingter Pause („die Bandscheibe zwickt“) zum ersten Mal wieder auf der Bühne stehen.

Auch das Vorprogramm lässt einiges erwarten: Die jungen Österreicher von Paul Jets werden vom Magazin „The Gap“ als „eine der größten Hoffnungen des heimischen Pop“ bezeichnet. Zum Auftakt spielen Jeremias aus Hannover.

ARCHIV - 11.01.2018, München: Der Sänger Gisbert zu Knyphausen spielt zum Auftakt seiner Deutschlandtour im Muffatwerk in München. Alljährlich lädt der Künstler Musiker und Bands auf den Gutshof seiner Familie, den Draiser Hof in Eltville. Was als kleine Veranstaltung begann, hat sich längst zu einem gefragten 3-Tages-Festival entwickelt. Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit. Foto: picture alliance/dpa/Peter Kneffel

Station-K-Popfestival, 10. August, Saarburg, alte Kaserne (open air). Mit Sophie Hunger, Gisbert zu Knyphausen, PeterLicht, Pauls Jets, Jeremias. Beginn: 16 Uhr. Tickets unter der TV-Hotline 0651/7199-996