"Eine Puppe muss Gefühle haben"

Trier · Schildkröte Josie, Adler-Fasan Freiherr von Furchensumpf oder Ernährungsberater Professor Peter Hacke: Ihnen leiht Bauchredner Sascha Grammel seine Stimme. Mit seinen Puppen kommt er am Sonntag, 25. August, um 20 Uhr in die Trierer Arena.

Trier. "Bauchreden ist langweilig", hat Sascha Grammel einmal gesagt. Warum er es dennoch tut, wie die Ideen zu seinen Puppen entstehen und was das Publikum in seiner Show erwartet, das hat er im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Daniel John verraten.Für Ihre neue Show haben Sie sogar einen Außerirdischen verpflichtet. Vielleicht erzählen Sie einfach mal, wie Außerirdische so sind.Sascha Grammel: Also auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Herr Schröder spielt zum Beispiel gern Tetris mit seinen Gliedmaßen und sammelt Hödel-Briefmarken. Dabei plaudert er auch sehr gerne mit Ursula, einer Sternschnuppe, die er gefangen hat. Die beiden sind ein eingeschworenes Gespann, und man kommt kaum zu Wort. Ich sitze manchmal nur daneben mit offenem Mund und schaue zu. Wie gesagt, das Leben mit Außerirdischen ist sicher nicht immer einfach, aber man hat eine Menge Spaß, und ich glaube, Herr Schröder & Ursula sind die heimlichen Stars der neuen Show.Die alten Stars sind aber auch mit dabei?Grammel: Wir erleben die alten Puppen in völlig neuem Gewand. Professor Hacke hat jetzt Wasser entdeckt, und da ist er ganz stolz drauf. Er hat sich gemausert zur Schlussnummer, das freut mich für ihn sehr. Das hätte ich vor zwei Jahren noch nicht für möglich gehalten, dass der mal so abgeht. Das ist ein Knaller!Er hat ja sogar ein Buch geschrieben, wie kam es dazu?Grammel: Wir haben drei Jahre lang erzählt, dass Professor Hacke "Das Hacke-Peter-Prinzip" geschrieben hat, bis der Rowohlt-Verlag irgendwann im Publikum saß und fragte: "Gibt\'s dieses Buch?" Als ich sagte, auf der Bühne schon, aber sonst nicht, meinten sie: "Was halten Sie davon, wenn er es mal schreiben würde?" Nun - er hat es geschrieben, und ich bin mir sicher, es wird die Haltung vieler Leser zur Ernährung, zu Diäten, zu Borschtsch und dem eigenen Körper von Grund auf verändern. Nur sollte man es in kurzen Häppchen lesen. Sonst wird man irre.Und Schildkröte Josie ist schwer verliebt?Grammel: Ja, ich wollte immer mal eine Nummer haben, die eben nicht hau-drauf ist und das typische Klischee einer Comedyshow bedient, sondern mal Gefühle zeigen, ruhiger werden. Und das ist mir gelungen. Gestandene Männer gehen in die Pause und verkneifen sich ein Tränchen - das ist wirklich was fürs Herz.Sie haben ja angefangen mit Zauberei, wie sind Sie denn zum Bauchreden gekommen?Grammel: Ich habe immer so rumgezaubert und dachte, es ist schön, wenn man ein bisschen Abwechslung bieten kann. Deswegen habe ich auch jongliert, das mache ich auch in der jetzigen Show. Dann habe ich in einem Jonglierladen ein Buch über die Kunst des Bauchredens gefunden. Ich wollte einfach nur wissen, wie das funktioniert. Und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt, und ich habe wirklich wie ein Bekloppter geübt. Es ist im Prinzip, wie neu sprechen lernen.Dabei haben Sie selbst mal gesagt, Bauchreden sei langweilig.Grammel: Das habe ich gesagt, um zu provozieren, und weil das die Reaktion war, wenn ich gesagt habe: "Ich bin Bauchredner." Man kannte eben nur diese Bauchredner, die Witze erzählen, meistens auch noch unter der Gürtellinie, und es geht eigentlich gar nicht um die Puppe. Ich bin ein großer Fan von Jim Henson, und der hat ja mit seinen Muppets ganz andere Welten aufgemacht. Ich dachte mir: "Das musst du machen, du musst einen Charakter erschaffen, der muss Gefühle haben, der muss mal traurig sein, schlecht drauf, den muss was ärgern, dem tut\'s im Rücken weh." Darum muss es gehen und nicht um irgendwelche Witze. Der eigentliche Spaß entsteht dann durch die Situation.Und wie entstehen dann die Ideen zu den Puppen?Grammel: Manchmal ist es das Thema wie bei Professor Hacke, da wollte ich über Ernährung reden. Manchmal geht es von der Puppe aus: Bei Herrn Schröder wollte ich erst mal einen Außerirdischen, ich wusste aber noch gar nicht, was der für einen Charakter hat, das hat sich erst nach und nach entwickelt.Wer fertigt die Puppen an?Grammel: Das ist ein ganzes Team, der eine macht die Form, der andere die Mechaniken. Die Puppen sind ja sehr aufwendig: Wir brauchen von der Idee bis hin zur fertigen Nummer ungefähr drei Jahre, das ist ein ziemlich langer Vorlauf. Die Puppen sind ja die eigentlichen Stars der Show. Haben Sie nicht manchmal Angst, dass die irgendwann sagen: "Den Grammel brauchen wir dazu gar nicht mehr?"Grammel: Ich glaube, die sagen jeden Abend: "Den Grammel brauchen wir nicht mehr." Aber wenn ich weg bin, sehen die natürlich alt aus. Die wissen schon, dass es ohne mich nicht geht, aber ich lasse ihnen den Vortritt - ich selber bin nicht so spannend. dajSascha Grammel tritt am Sonntag, 25. August, um 20 Uhr mit seinem Programm "Keine Anhung" in der Arena auf. Karten gibt es im TV-Service-Center Trier und an der Abendkasse.

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