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Eine Stimme, eine Gitarre und "echte" Gefühle

Eine Stimme, eine Gitarre und "echte" Gefühle

Eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Großstadt Berlin, eine Gitarre und eine Nacht Ruhe - mehr brauchte der Singer-Songwriter Philipp Dittberner nicht, um seinen ersten Hit zu schreiben. Am Samstag, 10. Oktober, tritt der 25-Jährige im Mergener Hof in Trier auf.

Trier. Mit "Wolke 4" hat Philipp Dittberner es zunächst auf zahlreiche Klicks bei Youtube geschafft, und später in die Charts. Mit Redaktionsmitglied Stefanie Braun hat der gelernte Physiotherapeut über seinen Erfolg, ehrliche Musik und einsame Nächte gesprochen. Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen?Philipp Dittberner: Als ich zwölf oder 13 war, habe ich angefangen, mich für Musik zu interessieren. Ich mochte schon immer gitarrenlastige Musik und hatte Lust, das nachzuspielen. Irgendwann hat mir jemand eine Gitarre geschenkt. Ich hatte insgesamt zwei Gitarrenstunden in meinem Leben, aber nach der zweiten war für mich klar, dass ich das alleine hinkriegen muss. In der Schule habe ich dann im TuSch-Projekt mitgemacht, da wurden Schulen und Theaterhäuser zusammenführt, um zusammen was auf die Beine zu stellen. Bei mir hat sich schnell herausgestellt, dass ich ganz gute Texte schreibe. Ich wollte das dann mit dem Singen kombinieren und wurde sehr gefördert. Ich habe gemerkt, dass ich über das Liederschreiben eine neue Ebene gefunden hatte, mich auszudrücken. Trotzdem sind Sie erst einmal Physiotherapeut geworden ...Dittberner: Ja, ich bin eben auch Realist. Musik machen und von ihr leben können ist ein Traum, aber ich wollte eigentlich auch Medizin studieren. Das erschien erst mal realistischer, als zu denken, dass die Radiowelt nur auf meine Lieder gewartet hat. Ich habe dann keinen Studienplatz bekommen, aber es ist wohl Schicksal, dass manche Sachen nicht funktionieren, damit andere klappen. Während der Wartesemester habe ich Physiotherapie gelernt: Das möchte ich nicht mehr missen, weil meine Musik in der Zeit sehr gereift ist. Inwiefern gereift?Dittberner: Ich habe drei Jahre im Krankenhaus gearbeitet, im Hospiz und auf der Intensivstation, da nimmt man einiges mit. Das hat Auswirkungen auf die Musik gehabt, weil man einfach empfindsamer wird für manche Dinge. Manchmal ist man für sehr einsame Personen im Krankenhaus ein Lichtblick am Tag, weil man einfach mehr Zeit hat als die Visite, die immer unter Druck steht. Wie entstand Ihr Song "Wolke 4", mit dem Sie durchgestartet sind?Dittberner: Marvin Webb und ich haben ,Wolke 4' zusammen gemacht. Ich habe die Musik und den Text geschrieben, eingesungen und eingespielt und Marv in kleinen Stücken geschickt. Im Prinzip habe ich ihm die Puzzleteile geschickt, und er hat sie nach meiner Anleitung zusammengesetzt und Beats darunter gelegt. Sie sind mit "Wolke 4" vor allem auf dem Internetportal Youtube bekannt geworden. Haben Sie sich bewusst für Youtube als Verbreitungsmöglichkeit entschieden?Dittberner: Ich denke, dass das Internet, sprich Youtube oder Soundcloud, einfach eine Option für junge Musiker darstellt, um sich zu präsentieren. Obwohl es natürlich keine Erfolgsgarantie gibt, haben wir diese Option bewusst gewählt. Worum geht es in Ihrem Debütsong? Um Freundschaft oder darum, dass in einer Beziehung weniger auch mal mehr sein kann?Dittberner: Ich glaube, das Letzte trifft es ganz gut. Dass man bei all den Rückschlägen und den Dingen, die den Alltag erschweren, irgendwo trotzdem Liebe und Glück empfinden kann, und dass genau das auch die wahre Liebe darstellt. Aber ich will bewusst einen Interpretationsspielraum in meinen Texten wahren. Meinetwegen können die Leute alles hineininterpretieren, das macht die Musik ja dann auch aus. Was brauchen Sie, um kreativ zu sein?Dittberner: Ich schreibe meistens nachts und alleine. Diese Einsamkeit brauche ich zum Schreiben. Außerdem braucht es den richtigen Moment, es gibt Situationen, in denen man sich einfach hinsetzen und schreiben muss. Momentan scheint es, als würden Singer/Songwriter wie Pilze aus dem Boden schießen. Was macht diese Künstler gerade so beliebt?Dittberner: Ich weiß es nicht, aber ich freue mich darüber, dass die Leute den Weg zur Musik aus dem eigenen Land und in der eigenen Sprache wiederfinden. Ich glaube, dass sich viele junge Menschen in dieser "echten" Musik, einfach mit Gitarre und Gesang, wiederfinden. Außerdem schreiben die Songwriter von ihren eigenen Gefühlen und ihrer Sicht auf die Dinge. Auf Deutsch sind die Texte sofort verständlich, man bekommt einen "Hörauftrag" und hinterfragt die Texte eher, als wenn etwas an einem vorbeidudelt. Was macht denn einen guten Singer/Songwriter aus?Dittberner: Vielleicht ist das Grundrezept einfach Ehrlichkeit: Die Leute merken, ob du eine Rolle spielst und die Lieder einfach singst, ohne sie zu fühlen. Ich glaube, die Musik macht aus, dass sie authentisch ist. sbraPhilipp Dittberner & Band, Samstag, 10. Oktober, 20 Uhr, Mergener Hof, Trier. Karten gibt es im TV-Service-Center Trier.