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Eine Symphonie aus Licht, Glas und Musik

FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Hamburg. Es ist tatsächlich geschafft: Nach zehn Jahren Bauzeit und Skandalen um Kostenexplosionen und Bauverzögerungen wird am 11. Januar 2017 die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Eine Geschichte mit Happy End.

Hamburg. Es ist kein Wunder, dass man sie die "gläserne Welle" nennt: In 1096 Glaselementen bricht und spiegelt sich das Licht und zaubert so, je nach Tageszeit und Wetterlage, eine andere Stimmung auf das 110 Meter hohe Konzerthaus: die Elbphilharmonie. Unten historischer Backstein, oben ein moderner Glaswürfel, steht sie auf einer Landzunge am Eingang der Hafenstadt, von drei Seiten von Wasser umgeben. Die Tore zum ersten Konzert haben sich noch nicht geöffnet, doch schon jetzt ist der millionenteure Bau ein Wahrzeichen von Hamburg. Zehn Jahre dauerte der Bau, am 11. Januar wird er nun endlich eröffnet.
Eigenlich war die schon für 2010 geplant, stattdessen verschlang das Großprojekt statt 77 Millionen, wie zuerst geplant, ganze 789 Millionen und brauchte weitere sechs Jahre, bis endlich ein Glaselement auf dem anderen ruhte. Das Vorzeigeprojekt der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, das Hamburg in die Liga der zehn besten Konzerthäuser der Welt katapultieren sollte, wandelte sich zum Alptraum. Doch seit der Neuordnung 2013 steigt die Vorfreude auf das neue Konzerthaus wieder. Zum dreiwöchigen Eröffnungsfestival hat sich das "Who is Who" der internationalen Klassikszene angekündigt und fast alle Konzerte sind bereits ausverkauft. Für die beiden Eröffnungskonzerte haben sich mehr als 200 000 Menschen um 1000 Freikarten beworben - sogar aus der Antarktis wollten Klassikfans dabei sein. Sieben Wochen vor der Eröffnung blühte der Onlinehandel für die letzten verbliebenen Karten. Auf eBay etwa bot ein Verkäufer zwei Karten in der ersten Reihe für das Konzert des chinesischen Pianisten Lang Lang für rund 9980 Euro an. Wenigstens inklusive Versand. Eröffnet wird am Mittwoch, 11. Januar, dann mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock.
Nichts war fertig durchdacht


Angefangen hatte alles mit einer spektakulären (und wie sich später herausstellte etwas fixen) Idee: Der Hamburger Architekt Alexander Gérard wollte an der exponierten Stelle in der neu entstehenden Hafencity einen kulturellen Anziehungspunkt schaffen, er holte sich seine Studienkollegen Jacques Herzog und Pierre de Meuron mit ins Boot. Im Juni 2003 präsentierten sie die ersten Entwürfe, und wurden gefeiert. Doch schon bald stellt sich heraus: Nichts war fertig durchdacht. Das größte Problem neben der frühen Ausschreibung und den unfertigen Planungen war das komplizierte Dreiecksverhältnis zwischen der städtischen Realisierungsgesellschaft (Rege), den Architekten und dem Bauunternehmen Hochtief. Ende 2011 weigerte sich Hochtief, das Dach des Großen Konzertsaals abzusenken, und stellte die Bauarbeiten komplett ein. Erst als die Stadt drohte, die Elbphilharmonie alleine zu Ende zu bauen, gab es wieder Bewegung: Am Ende einigen sich Scholz und der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes auf eine Neuordnung des Projekts.
Für Christoph Lieben-Seutter, seit 2007 Generalintendant der Elbphilharmonie, hat sich das Blatt zugunsten der Elbphilharmonie gewendet: Spätestens seit am 4. November die Bilder vom Konzertsaal und der Eröffnung der öffentlichen Plaza in 37 Metern Höhe um die Welt gingen, ist die Elbphilharmonie in aller Munde. Und zwar positiv.
Vieles an der Elbphilharmonie ist einzigartig: Der Große Konzertsaal für 2100 Besucher ist nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Aus Schallschutzgründen wurde der 12 500 Tonnen schwere Saal komplett vom restlichen Gebäude entkoppelt und ruht auf 362 Stahlfederpaketen. Auch die spektakuläre Glasfassade mit ihren 1096 Fensterelementen und die "Tube", die 82 Meter lange Rolltreppe, die die Besucher auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe führt, sind einzigartig.
Vieles ist einzigartig


Für die Akustik ist der Japaner Yasuhisa Toyota verantwortlich. Für die Elbphilharmonie hat er die "Weiße Haut" entworfen - 10 000 individuell zugeschnittene Gipsplatten, unterschiedlich in Form und Größe, Gewicht und Oberflächenstruktur, die die Innenverkleidung des großen Saals bilden. Sie sollen den Schall optimal reflektieren. "Die Akustik ist einfach gigantisch. Es klingt überall gleich gut", meint ein Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters nach der ersten Probe. Die Choreographin Sasha Waltz weiht bereits am Neujahrstag das sechsstöckige Foyer mit einer Uraufführung der Tanzperformance "Figure Humaine - Menschliches Antlitz" ein. An dem mehr als zweistündigen Abend ihrer Compagnie "Sasha Waltz & Guests" sollen einige Hundert Zuschauer mit den Interpreten vom zehnten Stock über sechs Etagen in die Höhe steigen. Im Internet konnten Neugierige schon mittels eines Drohnenfluges durch das Hamburger Konzerthaus fliegen. Das Luxushotel Elphi mit 244 Zimmern ist bereits für Besucher geöffnet. Zur Elbphilharmonie gehören außerdem noch 44 Eigentumswohnungen. Die öffentliche Aussichtsplattform, die Plaza, bietet auch Besuchern, die kein Interesse an Konzerten haben, eine Möglichkeit, die Elbphilharmonie zu erleben. In 37 Metern Höhe können sie essen, einkaufen und einen Blick auf Hamburg und den Hafen werfen. sbra/dpa

Extra

Der in Trier geborene und in Hamburg lebende Opernsänger Franz Grundheber (TV-Foto: Archiv) wird im Rahmen der dreiwöchigen Eröffnungsreihe ebenfalls auftreten. Er singt am Samstag, 28. Januar, den Part des Moses aus "Moses und Aaron" von Arnold Schönberg. "Dass man mich in dem Alter dafür noch nimmt, ist eine große Ehre", sagt der 79-Jährige, der seit 1966 an der Hamburgischen Staatsoper engagiert ist. sbra