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Eine teuflische Liebesgeschichte

Eine teuflische Liebesgeschichte

"Luzifers Erbe", ein Tanztheaterstück für Jugendliche ab 12 Jahren, hat in der Tufa Trier vor 60 Besuchern eine gelungene Premiere gefeiert. Die Tufa-Eigenproduktion für das Kinder- und Jugendkulturfestival SommerHeckMeck sprach mit einer Mischung aus szenischem Spiel, Video, Musik und Tanz an.

Trier. Das Motto des diesjährigen SommerHeckMeck ist Gespensterspuk. Doch nette Gespenstergeschichten reißen nicht unbedingt Jugendliche vom Hocker. Deshalb haben Regisseur Stephan Vanecek, Macher der erfolgreichen Tufa-Musicals, und Monika Wender vom Tufa Tanz e.V. für diese Zielgruppe auf das Genre Fantasy gesetzt.
In "Luzifers Erbe", einem von Vanecek frei nach Rainer Wekwerths Roman "Stadt der gefallenen Engel" geschriebenen Bühnenstück, geht es um dämonische Kräfte, den Kampf von Gut gegen Böse, von Licht gegen Finsternis.
Kryptische Stimmen aus dem Off


Das wird zum Auftakt etwas kryptisch von Stimmen aus dem Off in Zeilen um gefallene Engel angedeutet. Dann aber steigt die Handlung szenisch zunächst in die ganz reale Welt ein.
Die 17-jährige Laura (Stefanie Jacobs) reist zu den Großeltern (Astrid Casel, Hejo Kessler) in die große Stadt, wird auf dem Weg überfallen, aber von Nathan (Domenic Becker) gerettet. Es beginnt eine scheinbar ganz normale Liebesgeschichte.
Dass mit ihr aber eine viel größere, geheimnisvolle Dimension verbunden ist, machen eingestreute, von Steve Strasser in Trier gedrehte Videosequenzen klar. Da fallen Teufel mit Fratzengesichtern blutrünstig über weiß gekleidete Lichtgestalten her oder treffen sich in zerfallenen Fabrikgebäuden zu martialischen Tänzen. Horrorfilme und Computerspiele scheinen hier Pate gestanden zu haben.
Unfreiwillig komisch


Was in Erwachsenenaugen holzschnittartig und manchmal unfreiwillig komisch wirkt, zum Beispiel die Verwandlung eines normalen Menschen in eine Superman-Engelsritterfigur, überzeugt auch Jugendliche nicht so sehr. Mehrere 15- und 16-jährige Zuschauerinnen finden die Videos übertrieben und fürs Verständnis der Handlung überflüssig. Sehr gut gefallen ihnen allerdings die vielen Tanzszenen. Der Überfall auf Laura wird zum Beispiel in einer tollen Street Dance Nummer dargestellt, die familiäre Vorgeschichte Lauras in einer sehr poetischen Video-Ballettszene mit Hannah Ma und Reveriano Camil.
Camil und Monika Wender haben die Choreografien zu einem passend ausgesuchten Soundtrack erarbeitet. Das bringt dem über weite Strecken wie ein Kammerspiel wirkenden und recht spannenden Stück Pep und Abwechslung.
Die beiden Hauptdarsteller spielen ihre Rollen glaubwürdig und mit Bravour, überzeugend auch das übrige Ensemble aus den schon Genannten sowie Claudia Stephen, Felizia Roth, Jennifer Kubistin, Giulia Schober, Gianna Schober und Kevin Grewer. Erfrischend witzig ist ein kleiner Auftritt von Regisseur Vanecek als schusseliger Buchhändler. Die jungen Zuschauerinnen befinden das Stück am Schluss als insgesamt ansprechend und wollen auf jeden Fall ihren Freundinnen und Freunden davon erzählen.
Weitere Termine: Freitag, 28. und Samstag, 29. Juni, je um 19 Uhr, Dienstag, 2. Juli, um 10 und 19 Uhr.