Einer von uns

200 Zuhörer hat Klaus Lage mitgenommen - auf eine Zeitreise durch sein Leben und seine Musik. In der Tufa spielte er nicht nur solo und unplugged seine größten Hits, sondern gibt viel Persönliches preis.

Trier. Klaus Lage ist ja schon so etwas wie ein Urgestein in der Geschichte des deutschsprachigen Rock und Pop. Und wie das bei Urgesteinen oft so ist: Wenn kein Erfolgsdruck mehr treibt, kommt die Besinnung auf die Quintessenz.
Lage hat die in ein Programm mit Titel "Zeitreise" gepackt. Für den Ausflug durch seine Karriere hat der Musiker einen intimen Rahmen gewählt: Keine Band, einfach nur mit seinen zwei Gitarren sitzt er auf der Bühne. Nicht ein Hauch von Künstler-Publikum-Distanz taucht da auf, vielmehr entsteht der Eindruck, es sei ein alter Freund zu Besuch.
Den nährt der 63-Jährige, in dem er sehr persönliche Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Mit viel selbstironischem Humor geht es da um seine von Mangel geprägte Jugend in der Lüneburger Heide und um sein Lebensgefühl: "Null Bock gab es schon in den 1950ern", sagt er. Dann erzählt er von seinen ersten Gehversuchen in den 1970ern als Musiker in Berlin.
Musik und Lebensgeschichten


Diese Geschichten sind schon für sich unterhaltsam, bekommen aber ihren besonderen Reiz durch die Verbindung mit seinen Liedern. Denn in der Musik wird klar, wie sehr eigene Erfahrungen Klaus Lages Werk bestimmt haben. Er singt seinen Song "Wieder Zuhaus", über die Rückkehr in eine Provinz, die vertraut und doch zu eng ist, oder "Alle haben\'s geschafft, außer mir", aus einer Zeit, in der seine Karriere noch dümpelte.
Die Stimme klingt wie früher: rauchig, rockig, kräftig und manchmal so röhrend wie die eines Bluessängers. Dazu bildet der Klang der rhythmisch angeschlagenen Stahlsaiten der Akustikgitarre einen schönen Kontrast.
Lage überzeugt mit großer Bühnenpräsenz, noch mehr aber mit Authentizität. Im Verlauf des Abends singt er all seine großen Erfolge, "Komm, halt mich fest", "Schweißperlen", die Schimanski-Filmmusik "Faust auf Faust" und natürlich "Tausendmal berührt". Dazu auch neueres Material wie "Zug um Zug" oder "Zeitreise", in dem er seine Biografie noch einmal komprimiert. Seine Fans singen mit und nicken zustimmend.
Klaus Lages Lieder wirken bodenständig und ehrlich. Sie bieten jedem Zuhörer die Möglichkeit, sich irgendwo wiederzufinden. Da lässt sich zum Beispiel beim Generationen-Statement: "Ich habe meine eigene Meinung, weiß, woher ich komme und wer ich bin", andocken, bei der Kleine-Leute-Sicht aus "Monopoly" oder bei der Liebeserklärung "Auf Dich".
So oder so ähnlich hat jeder schon Dinge gesehen oder erlebt. Und so gilt der Riesenapplaus am Schluss nicht nur einem Künstler und seinem Lebenswerk, sondern auch "einem von uns". ae