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Einfach - Nuhr - entspannt

Einfach - Nuhr - entspannt

Keine Effekte, keine Leinwand, keine Show. Nur Nuhr. Und dem gelingt allein mit Worten das, was viele andere nur mit viel Brimborium schaffen: Menschen über sich und die Welt zum Lachen zu bringen.

Trier. "Rede ich zu viel? Ich will Sie ja nicht belästigen. Das soll ein ruhiger, entspannter Abend werden." Und das wird er auch. Der komplette Kontrast zum Auftritt Bülent Ceylans mit Feuerfontänen, Pyrotechnik, Rockmusik und Lichtshow genau eine Woche zuvor in der Trierer Arena. Allerdings dürften nicht viele diesen Gegenpol erlebt haben - zu unterschiedlich sind die Fangemeinden des Deutsch-Türken und des weitaus politischeren Dieter Nuhr, der schon seit den 80er Jahren auf den Kabarettbühnen unterwegs ist.
Der 51-Jährige begnügt sich mit schwarzem Vorhang und iPad-Halter. Keine Verkleidungen, keine Rollenspiele. Sein neues Programm heißt schließlich "Nuhr unter uns".
Thematisch aber gibt der Düsseldorfer, der zwischen Kabarett und Comedy unterwegs ist, Gas. Finanzkrise, Gesellschaftswandel, Klimawandel, Globalisierung: Überall springt er hinein, nimmt die Quintessenz heraus und springt weiter. Wenn er dabei populäre Positionen annimmt, entlarvt er sie im Grunde nur. Ratingagenturen? Die sollte man verbieten! Und nachdem das Publikum geklatscht hat, ergänzt er: "Gut, damit ist zwar niemandem geholfen, aber die Stimmung wäre gleich besser!"
Die Furcht vor dem Glück


Schließlich gelte in Deutschland der Depressive als Philosoph und der Zufriedene als Spinner. Das gehe so weit, dass Wähler aus Protest ihr Kreuzchen bei der NPD machen. "Wenn die Schweine unzufrieden mit dem Bauern sind, wählen sie doch auch nicht den Metzger!"
Nein, anstatt einfach glücklich zu sein, wird der Deutsche von Zemmiphobie, der Angst vor Maulwürfen, oder Anatidaephobie geplagt: der Furcht, von Enten angestarrt zu werden.
Da seien Terroristen eben leidensfähiger. "Ich habe noch nie gehört, dass sich ein Taliban über Laktose-Intoleranz beschwert hat: ,Der Sprengstoff ist o.k., aber die Milch macht mich fertig!\' Da halten die Christen nur entgegen: ,Gott liebt dich.\' Gut, besser als der Pfarrer ..."
Lediglich während seines Winterurlaubs hat das Zeitgeschehen Nuhr überrollt. "Ich dachte erst, Christian Wulff hätte ein Schiff versenkt. Aber so war das ja gar nicht. Gut, immerhin haben er und der Kapitän der Costa Concordia ähnlich geschickte Verteidigungsstrategien."
Nuhr gelingt die Gratwanderung zwischen dem Humor über das Alltägliche und allzu Menschliche sowie der Politik. Den paternalistischen, also bevormundenden Staat nimmt er ebenso aufs Korn wie die "bunte Sponti-Truppe", die Deutschland regiert. Doch ein politischer Kabarettist will er nicht sein: "Bei der Comedy müssen Sanitäter da sein, beim Kabarett kommen gleich die Bestatter mit."
Immer wieder stellt er sich die Frage, warum so viele Verrückte glücklich sind, aber niemand verrückt sein will. "Seien wir einfach ganz wir selbst", ruft er seinen 3500 Zuschauern in Trier zu. "Positiv, entspannt, zufrieden."