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Eingespart, ausgezaubert, eingedeutscht, wiedergefunden

Eingespart, ausgezaubert, eingedeutscht, wiedergefunden

Über Zustände an deutschen Theatern, einen neuen (alten) Krimi mit Kommissar Kurt Wallander, die russischen "Rolling Stones" und Perry Rhodan und Raumschiff Orion in Bonn.

Aus deutschen Theatern, gefühlte Folge 125: In Hagen trat Intendant Norbert Hilchenbach, übrigens aus Trier stammend, dieser Tage vor sein Publikum und verkündete die neuesten Einspar-Auflagen der Kommunalaufsicht. "Beschämende Zustände" seien das, gegen die sich das Publikum "zur Wehr setzen" müsse. Die Arbeit und das Ansehen des Hauses seien "extrem gefährdet", die Künstler fragten sich, "ob wir Ihnen unsere Vorstellungen noch zeigen dürfen". Im krisengeschüttelten Spanien wurde diese Frage am Mittwoch beantwortet: Die Berliner Philharmoniker können ihre für Ende der Spielzeit im Madrider Teatro Real eingeplante "Zauberflöte" wieder einmotten. Die spanische Hauptstadt kann sich das Gastspiel nicht leisten. Der Renommier-Auftritt hätte bei drei Vorstellungen freilich auch fast eine Million Euro gekostet, Damit wären in Hagen die Probleme eines ganzen Jahres gelöst. Reden wir über bescheidenere Formen von Hochkultur. Das kleine Hamburger St.Pauli-Theater, ein privat geführtes Haus auf künstlerischem Spitzenniveau, hat am Dienstag wieder einen Coup gelandet. In deutscher Erstaufführung zeigte man "The King's speech" - das Original-Theaterstück, das dem Erfolgsfilm zugrunde liegt. Mit Michael Bogdanov holte man einen Weltklasse-Regisseur, mit Marcus Bluhm und Tatort-Kommissar Boris Aljinovic (der Kleine aus Berlin) exzellente Schauspieler. Der Abend sei "beifallumrauscht" gewesen, notierte die Presse. Wetten: Man wird das Stück bald anderswo im Land auf den Spielplänen sehen. Einen Kriminalfall von Kommissar Kurt Wallander hat erstaunlicherweise noch niemand auf die Bühne gebracht. Dafür entdeckt Autor Henning Mankell immer mal wieder neue Fälle des Kriminalisten, den er eigentlich schon vor zehn Jahren in den literarischen Ruhestand geschickt hat. 2009 erschien der offiziell letzte Nachzügler, jetzt steht offenbar ein weiterer ins Haus. Er soll schon 20 Jahre alt sein, aus rechtlichen Gründen aber nur in den Niederlanden erschienen sein. Wann und unter welchem Titel er herauskommt, ist noch nicht bekannt. Ziemlich unbekannt ist hierzulande auch noch die russische Rockband Mumiy Troll. Dabei gelten sie zu Hause in Wladiwostok und in ganz Putin-Land als "Rolling Stones Russlands". Nun ist die 1983 gegründete Band erstmals auf großer Deutschland-Tour, in den nächsten Tagen stehen Köln, Frankfurt, Berlin und Nürnberg auf der Agenda. Wer auf dem Weg zum Konzert in Bonn vorbeikommt, sollte eine Visite im Haus der Geschichte einplanen. Von heute bis zum 10. März residiert dort die Schau "Science Fiction in Deutschland". Politik und Fernsehen, Metropolis und Perry Rhodan, Raumschiff Orion und der Sputnik: Nichts wird ausgelassen. Klingt nach einem ausgelassenen Familienvergnügen.