Einsatz für klangvolle Emotionen

Einsatz für klangvolle Emotionen

Traditionell gibt es zum Jahreswechsel in der Basilika St. Paulin ein großes geistliches Konzert. Vor fast ausverkaufter Kulisse dirigierte diesmal István Dénes den "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Trier. Irgendwie könnte man fast meinen, es hat nicht sollen sein. Schon seit Jahren wollte Regionalkantor Joachim Reidenbach die zweite Sinfonie, Opus 52, von Felix Mendelssohn Bartholdy aufführen. Immer kam irgendetwas dazwischen. Jetzt aber, quasi als Auftakt zum Mendelssohn-Jahr, sollte es endlich klappen. 2009 feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag des Komponisten. Wie könnte man dieses Jubiläum besser einläuten, als im Silvesterkonzert 2008 den "Lobgesang" erklingen zu lassen.

Erhabener Einstieg von Domorganist Josef Still



Doch kurz vor Silvester erkrankte Reidenbach und konnte das Konzert entweder absagen oder einen Ersatzdirigenten finden: "Ich bin István Dénes sehr dankbar, dass er sofort bereit war, die Leitung des Konzertes zu übernehmen", sagte Reidenbach. "Es wäre nicht nur für mich, sondern auch für alle Beteiligten eine große Enttäuschung gewesen, hätten wir dieses Konzert absagen müssen. "Eine Enttäuschung wäre es auch für das Publikum geworden, denn die Konzerte zum Jahreswechsel in der Barockbasilika sind eine Institution. Den Anfang des Konzerts bildete der erste Satz aus der Symphonie Nr. 2 A-Dur für Orgel und Orchester von Alexandre Guilmant. Wenn auch die Orgel in St. Paulin, gespielt von Domorganist Josef Still, nicht ganz die klanggewaltigen Voraussetzungen mitbringt, die dieses Opus 91 erfordert, war es doch ein erhabener, sauber musizierter Einstieg in den musikalischen Silvesterabend, dem noch das Concerto A-Moll, BWV 593, für Orgel solo folgte, das Johann Sebastian Bach nach einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi komponierte. Beide Werke ebneten den Weg zu Mendelssohns Sinfonie-Kantate nach Worten aus der Heiligen Schrift, die 1840 in Leipzig erstmals aufgeführt wurde.

Hier war der ehemalige GMD der Stadt Trier voll und ganz in seinem Element. In einer kurzen Ansprache sagte er: "Ich hätte nie gedacht, so schnell in Trier noch einmal die Gelegenheit zu einem Dirigat zu erhalten. "Einer Fanfare gleich ließ er das Eingangsthema in der Basilika erschallen, manifestierte vom ersten Ton an die Aussage "Alles was Odem hat, lobe den Herrn!", die sich als roter Faden durch das Werk zieht. Mit sicherer Hand führte er das Basilika-Orchester und den -Chor durch die Komposition. Mehrere Faktoren sorgten dafür, dass diese Sinfonie ihre ganze Pracht entfalten konnte. Da waren ein glänzend vorbereiteter Chor, dem man, abgesehen von kleinen Schwächen, nur Komplimente für sein kraftvolles, aber immer kultiviertes Auftreten machen kann. Gleiches gilt für das Orchester, das sich unter der professionellen Führung offensichtlich wohl fühlte. Trotz der, im Verhältnis zur Bläser-phalanx, aus Platzgründen relativ schwachen Streicherbesetzung war der Klang weitgehend ausgewogen. Als Erlebnis muss man die beiden Solisten Ursula Thies (Sopran) und Marc Dostert (Tenor) bezeichnen. Emotionen setzten die beiden in der Schlüsselszene "Hüter, ist die Nacht vorbei?" frei. Filigran und fast ängstlich beginnend, wurde Dostert immer fordernder, bis Thies mit der alles befreienden Aussage "Die Nacht ist vorbei!" ein grandioses, befreites und jubelndes Finale auslöste. Technisch ebenso sauber wie Thies und Dostert agierte die Medizinerin Hildegard Baum, die den Part des zweiten Soprans übernommen hatte. Von der Klangfärbung ihrer Stimme und auch durch die fehlende professionelle Leichtigkeit wollte sie aber nicht recht in das Trio passen. Insgesamt war es ein großartiger Abend, dessen Erfolg man zu einem guten Teil auch Reidenbach zuschreiben muss.

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