Einzug auf Umwegen

LUXEMBURG/TRIER. Mit dem "Lichtgesängen" von seinem Pfingstkonzert tritt der Spee-Chor morgen, Samstag, 20 Uhr, in der Luxemburger Philharmonie auf und begibt sich damit auf Neuland. Ob das Konzert auf Kirchberg eine neue Ära der Kultur-Kooperation zwischen Luxemburg und Trier einläutet, bleibt indes abzuwarten.

Weitblick zahlt sich aus. Schon vor Jahren hat sich Martin Folz durch seine "Europäische Chorakademie", mit Kontakten zu angesehenen Luxemburger Künstlern wie Camille Kerger und durch seine Unterrichtstätigkeit am Konservatorium Ettelbrück im Nachbarland einen zweiten Schwerpunkt geschaffen - künstlerisch und organisatorisch. Da verwundert es nicht, dass der von Folz seit Jahren geleitete Spee-Chor jetzt auch als erster unter den Trierer Chören das Podium im großen Saal der Luxemburger Philharmonie besteigen kann. Wobei der Einzug in die heiligen Hallen des Konzertwesens auf dem Kirchberg vorläufig noch über einen Umweg erfolgt.Neue Impulse für Luxemburgs Chorszene

So einheitlich sich die Organisation der Philharmonie nach außen präsentiert, so vielschichtig ist sie hinter den Kulissen. Die Leitung des Hauses unter Intendant Matthias Naske zeichnet nur für einen Teil der Konzerte unmittelbar verantwortlich; andere Veranstaltungen fallen in die Zuständigkeit der "Solistes Europeens", des "Orchestre Philharmonique du Luxembourg" und anderer Organisatoren. Für das Konzert des Spee-Chors am Samstag ist die "Union Saint Pie X" zuständig - Dachorganisation der Kirchenchöre im Großherzogtum. Die feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Aber - Jubiläum hin oder her - die Luxemburger haben den Spee-Chor nicht zuletzt eingeladen, um von der Trierer Chorkultur zu profitieren. "Das Interesse in Luxemburg an Neuem in Chorbereich ist riesengroß", sagt Martin Folz und ergänzt, dass die Luxemburger Chorszene angesichts eines drastischen Schwunds an aktiven Sängerinnen und Sängern einen deutlichen Nachholbedarf besitzt. Der freilich sei auch erkannt worden. Im Konservatorium Ettelbrück gebe es bereits die Möglichkeit zu einer Chorleiter-Ausbildung, und andere Musikschulen im "Ländchen" würden mit Sicherheit folgen. Der Mangel an gut ausgebildeten Chorleitern wird also spätestens in einer Generation behoben sein. In der Luxemburger Philharmonie wird der Spee-Chor das Programm "Lichtgesänge" von seinem diesjährigen Pfingstkonzert wieder aufnehmen. Das beschränkt sich nicht auf die traditionelle Chormusik, sondern unternimmt gezielte Ausflüge in den Bereich, der modisch "Crossover" heißt. Was bedeutet: Nicht allein Haydn, Mozart, Brahms oder Mendelssohn preisen in Kompositionen Sonne und Licht, auch der britische Zeitgenosse Bob Chilcott, der in seinen "Canticles of Light" in den Pop-Sektor wechselt, hat sich des Themas angenommen und erscheint auf dem Programm. Wie am Samstag Publikumsinteresse und Publikumsresonanz ausfallen werden, ist noch völlig offen. Davon hängt auch ab, ob der Spee-Chor-Auftritt mehr wird als eine kulturpolitisch-künstlerische Eintagsfliege. Martin Folz rechnet mit den Lehrern und Schülern des Konservatoriums und der "konservativen Chorsänger-Klientel" in Luxemburg und ist im Übrigen optimistisch. Auch für die Luxemburger ist der Auftritt ja Neuland. Karten unter 00352/ 2632 2632