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Eleganz und Klangsinn: Pianist Grigory Sokolov in der Philharmonie

Eleganz und Klangsinn: Pianist Grigory Sokolov in der Philharmonie

Etwa 1000 Zuhörer haben in der Luxemburger Philharmonie den genialen Pianisten Grigory Sokolov bejubelt. Werke von Bach und Brahms standen am Freitagabend auf seinem Programm.

Luxemburg. Wie soll man ihn charakterisieren? Bestimmt, unbeirrbar, geistreich, voller Klangsinn und Hingabe an die Musik. All das trifft auf Grigory Sokolov zu. Und erfasst ihn doch nie vollkommen.
Der stille russische Meisterpianist wirkt immer ein wenig fern, eingehüllt in seine Klangwelt. Selbst dann, wenn er sich - wie in der Luxemburger Philharmonie - für den nicht enden wollenden Jubel des Publikums mit tadellosen Verbeugungen und einem halben Dutzend Zugaben bedankt.
Wie alle ganz Großen ihres Fachs begegnet Sokolov der Musik mit liebender Distanz. Er verliert sich nicht in ihr. Er gibt sich hin. Und das mit einer Eleganz, Klangsinnlichkeit und einer Anschlagskultur, wie man sie selten erlebt. Es ist das Spiel eines reifen Mannes, der geprüft, verworfen und gefunden hat. Vielleicht ist sein Spiel deshalb so frei und unbeirrt, so souverän. Sokolov kann die Musik leuchten, nachdenken und gleich darauf rasen machen.
Frisch, klar strukturiert, großartig in der Farbenpracht und Dynamik erklangen zu Beginn Johann Sebastian Bachs "Italienisches Konzert", BWV 971, und seine "Ouverture nach französischer Art", BWV 831. Atemberaubend war das sich selbst aushauchende Echo am Schluss. Was für ein beredter Pianist Solokov ist, was für ein genialer Meister der Ausdeutung, wurde so richtig offenbar in Johannes Brahms anschließenden "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel", op. 24, und den folgenden "Drei Intermezzi", op. 117. Hauchzart war das zierliche Eingangsthema; eine klug durchdachte Fülle von Farbschattierungen und wechselnden Temperamenten die Variationen. Zum Ende die Intermezzi als großartige Beispiele subtilster Seelendeutung.