Elegisch klagend, düster mahnend

Trier · Auf dem Musikkalender in der Passionszeit hat es seinen festen Platz: das von vielen Komponisten vertonte "Stabat Mater". Der Europäische Kammerchor Köln unter Leitung von Michael Reif hat in der Trierer Basilika St. Paulin eine Uraufführung des Engländers Colin Mawby präsentiert.

Trier. Haydn, Rossini, Dvor{cech}ák - viele große Komponisten haben das "Stabat Mater" vertont, jenes mittelalterliche Gedicht über den Schmerz der Mutter Jesu nach dessen Kreuzigung. Am Samstagabend gab es in der Trierer Basilika St. Paulin nun in einer Uraufführung eine weitere Fassung zu hören: Der Engländer Colin Mawby (79), für seine Verdienste um die Kirchenmusik mit dem päpstlichen Gregoriusorden ausgezeichnet, hat in seiner Chorfassung ebenfalls dem Leiden musikalischen Ausdruck verliehen - und das auf eine ebenso traditionelle wie eindrucksvolle Weise.
Das zwölfminütige Werk beginnt leise und solistisch, um sich dann in weiten Spannungsbögen zu entwickeln. Über dialoghafte Passagen zwischen männlichen und weiblichen Stimmen, mal elegisch klagend, mal düster mahnend, erreicht der Europäische Kammerchor Köln schließlich seinen vollen und raumfüllenden Klang. Chromatische Tonschritte und gebrochene Harmonien vermitteln den Zuhörern den Eindruck von Marias Schmerz.
Mit zwei weiteren "Stabat-Mater"-Vertonungen zur Einstimmung hat das Konzert auch begonnen: einerseits die romantisch verklärte Fassung von Franz Wüllner - einem heute fast vergessenen Zeitgenossen und Freund von Johannes Brahms - aus dem Jahr 1886, und andererseits die klar strukturierte und mit ihrer reduzierten Polyphonie transparent wirkende, kaum dreiminütige Version des Mexikaners Juan Gutierrez de Padilla (um 1590 - 1664). Abgerundet wurde das Programm, das am Sonntag auch in der Prümer Basilika zu hören war, mit geistlichen Werken von Heinrich Schütz und Hugo Distler sowie von Regionalkantor Volker Krebs mit zwei Zwischenspielen an der Orgel.
Einen weiteren Höhepunkt neben der Uraufführung bildete das Stück "Estonia" des Finnen Jaakko Mäntyjärvi (51), mit dem der Komponist an den Untergang der gleichnamigen Fähre 1994 erinnert, bei dem 852 Menschen ums Leben kamen. Hier kann der Chor unter Leitung von Michael Reif, dem früheren Direktor der Trierer Musikschule, sein ganzes Ausdrucksspektrum zeigen. Flüsternd, zischend, wogend entstehen Klangbilder von Wellen, Wind und Meer, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Nach einem wegen der Thematik von Leid und Schmerz nicht immer einfachen, aber rundum gelungenen Konzertabend erhebt sich das Publikum und verabschiedet die Musiker mit dem gebührenden Applaus. daj