Elektronik-Musik-Pionier Peter Mergener veröffentlicht neues Album „Astronaut“

Neues Album : Der Weltraum ist genau sein Ding

Zum Mondlandungs-Jubiläum: Trierer Elektronik-Musik-Pionier Peter Mergener veröffentlicht neues Album „Astronaut“.

Schon das Instrumentarium klingt nach Science Fiction: JD 800, DX 7, OB 12, MS 20 und so weiter. Fehlt eigentlich nur noch R2-D2. „Aber der ist ja ein Roboter aus Star Wars“, sagt Peter Mergener und lächelt milde über den Scherzversuch des TV-Reporters. Um dann aber doch noch diplomatisch einzulenken: „Eigentlich gar nicht sooo schlecht. Und für Laien ohnehin schwer auseinanderzuhalten.“ Bei JD 800 & Co. handelt es sich um Synthesizer, Tasteninstrumente, die per Klangsynthese auf elektronischem Wege Töne erzeugen. Mergener erzeugt nicht nur Töne, sondern ganze Klangwelten. Spacige Klangwelten, womit wir dann wieder bei Science Fiction wären.

„Ja, der Weltraum und alles, was mit Raumfahrt zu tun hat – das war schon immer genau mein Ding“, strahlt der 67-Jährige. Seine musikalische Referenzliste ist lang: Mehr als drei Dutzend Alben umfasst das künstlerische Schaffen Mergeners, das so völlig atypisch ablief. Mitte der 1980er, als sich das Studio des aus Trier stammenden gelernten Kochs noch in Welschbillig/Südeifel befand, war er der erste Musiker aus der Region, der CDs veröffentlichte. Damals im Duo Software, in dem Mergener die Ideen von Partner Michael Weisser (70) aus Bremen musikalisch umsetzte. Die Solokarriere startete 1990 und beinhaltet auch zwei CDs mit Musik für die mystischen Nächte der Trierer Brot&Spiele-Festivals (1997-2012).

Mergeners Klangwelten sind ein internationaler Exportschlager aus dem Trierer Land. Keine Massenproduktion, aber doch in vergleichsweise stattlicher Auflage. „Electronic Universe I“ von Software etwa fand mehr als 15 000 Abnehmer, die meisten davon in Übersee. Selbst in Neuseeland hat Mergener treue Fans. Wie übrigens auch die Elekronik-Musik-Pioniere Klaus Schulze, Jean-Michel Jarre oder Tangerine Dream, von denen Mergener ebenfalls „seit den 70er Jahren glühender Verehrer“ ist: „Die haben völlig neue musikalische Dimensionen erschlossen und mich ermuntert, diesen Weg ebenfalls zu gehen.“

Vor gut 40 Jahren lieh er sich von seinem Kumpel Hans-Peter „Popeye“ Paulus (1955-2015) dessen Synthesizer und war nach einigen Experimentier-Nächten so fasziniert, dass er sich bald den eingangs mit erwähnten Korg MS 20 zulegte – gekauft für 2400 Mark im Trierer Musikhaus Reisser: „Das war zwar damals viel Geld, aber das Ding ist jeden Pfennig wert und ich liebe es auch heute noch“. Obwohl es im Vergleich zu den meisten der insgesamt 20 Synthesizer, die Mergener für seine Produktionen einsetzt, „ein oller analoger Kasten ist. Mit allerdings ganz eigenem Klangcharakter. Ein Fall für schöne, spacige Effekte.“

Von solchen wimmelt es auf dem im heimischen Studio in Heidenburg (Hunsrück) produzierten neuen Album nur so. Es heißt „Astronaut“ und ist sein Beitrag zum großen Raumfahrt-Jubiläum. Vor 50 Jahren, am 21. Juli 1969, betraten die Nasa-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond. Ein bekanntermaßen riesiger Sprung für die Menschheit und ein sprudelnder Inspirationsquell für Peter Mergener, der hier alle Register zieht. Die Gesamtspielzeit von 51 Minuten verteilt sich auf elf Stücke. Neben sphärischen Klanggebilden, treibenden Sequenzerrhythmen, surrealen Sounds und Effekten, die nach menschlichem Gesang klingen, kommen auch Originaltöne zum Einsatz. So zum Beispiel John F. Kennedys legendärer „Wir haben den Mond als Ziel gewählt ...“-Satz sowie Teile des Funkverkehrs zwischen Bodenstation und Raumkapsel. The Eagle has landed (der Adler ist gelandet) – und Mergener setzt seine Reise durch die unendlichen Weiten fort. Der frischgebackener Rentner, der zuletzt im Leiwener Hotel Zummethof halbtags als Koch gearbeitet hat, bastelt schon an seinem nächsten Album: „Es soll Kosmos heißen. Der Weltraum lässt mich eben nicht los.“

Ans Aufhören verschwendet er keine Gedanken: „So lange mir etwas einfällt, mache ich weiter.“ Livekonzerte stehen für den Mann, der schon durch Kanada tourte, aber auch bei der Landesgartenschau 2004 in Trier auftrat, nicht mehr zur Diskussion: „Ich müsste wieder mein ganzes Studio auseinanderreißen – für mich ein echtes Horrorszenario“. Dagegen seien lausige R2D2-Scherze „geradezu eine Wohltat“.

Elektronik-Musiker und Science-Fiction-Fan: Peter Mergener. Foto: Roland Morgen

„Astronaut“ ist bei CUE-Records erschienen und auch als Download erhältlich. Infos online: www.cue-records.com

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