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Ensemble Gregorian präsentiert in Trier Chartmusik mit Mönchsstimmen.

show : Die Pop-Mönche in farbiger Optik

Das Ensemble Gregorian präsentiert in Trier Chartmusik mit Mönchsstimmen.

Als Christopher Tickner 1999 mit anderen Musikern in den Londoner Angel Recording Studios ein Album aufnahm, dachte er, das werde sich niemand kaufen. Er sollte sich irren. Vor allem in Deutschland liebten viele Menschen den Ambient-Pop mit den Stimmen im Stil von Mönchen. Ein Jahr drauf wurde er angerufen. Die Band Gregorian sollte auf Tour gehen. Seit 20 Jahren ist der 69-Jährige Tickner, der tiefen Bass singt, nun dabei, eines der letzten Gründungsmitglieder. Klassischer Gesang hat ihm immer schon alles bedeutet. Bereits als Kind sang der Brite in der Kirche, später studierte er Gesang und ging mit dem Dirigenten Paul Steinitz auf Tour, um Bach zu singen. Am Freitag stand Tickner mit seinem Ensemble vor 900 Besuchern in der Arena Trier, das mit einem Streifzug durch die Band-Geschichte überzeugte.

Das Konzept von Gregorian ist es, vor allem berühmte Lieder wie „With Or Without You“ (U2), „Brothers in Arms“ (Dire Straits), „Nothing Else Matters“ (Metallica) oder „Hells Bells“ (AC/DC) in einem sphärischen Sound mit gregorianischem Gesang zu präsentieren. Die Idee dazu hatte der Hamburger Musikproduzent Frank Peterson, der unter anderem Künstler wie Sarah Brightman, die Backstreet Boys und Placido Domingo produziert hat. 1989 besuchte Peterson das königliche Kloster von San Lorenzo de El Escorial in Spanien. Als er durch die mittelalterliche Anlage spazierte und dabei Popmusik auf seinem Walkman hörte, inspirierte ihn das dazu, altertümliche gregorianische Musik mit moderner Unterhaltungsmusik zu mischen.

Im Jahr darauf setzte Peterson die Idee erstmals mit Michael Cretu um und erschuf das erfolgreiche Musik-Projekt Enigma. 1991 erschien dann das erste Album von Gregorian („Sadisfaction“), allerdings noch nicht in dem Stil, wie man die Band heute kennt. Es wirkt wie ein beliebiger Zusammenschnitt von Ambient-Pop-Elementen, in dem nur vereinzelt Mönchsgesänge neben anderen Gesangsarten zu hören sind. Ende der 90er griff Peterson die Idee wieder auf. Dieses Mal ließ er aber aktuelle Stücke der Popmusik von klassisch ausgebildeten englischen Sängern nachsingen. Das brachte den Durchbruch.

„Nicht jeder Song eignet sich für die Gregorianische Tonskala“, sagt Peterson. „Man muss bei der Auswahl für Gregorian sehr sorgfältig sein.“ Nach mehr als 20 Jahren gehören rund 250 Lieder zum Repertoire. 20 Alben sind von Gregorian erschienen, mehr als zehn Millionen Tonträger wurden verkauft und erhielten Gold- und Platin-Status in 24 Ländern. Mehr als zweieinhalb Millionen Besucher auf aller Welt sahen die Band bislang live.

Auch den Zuschauern in Trier schien die zweistündige Show gut gefallen zu haben. Sie ist sehr abwechslungsreich und wird mit aufwändigen Licht- und Bühneneffekten in Szene gesetzt. Praktisch jedes Lied hat eine andere Optik und verschiedene Sänger auf der Bühne, welche von einem Schlagzeuger, Gitarristen und einem Pianisten ergänzt werden. Eine besondere Bereicherung der männlichen Stimmen ist die Sängerin Amelia Brightman (die Schwester von Sarah Brightman), welche schon optisch im weißen Kleid einen Kontrast zu den dunklen Mönchskutten bildet.

Nach dem Stop in Trier zog die Band weiter nach Belgien. Bis Mai stehen noch Russland, Österreich und Polen auf dem Tourneeplan. Danach sollen weitere Länder folgen.