er ist offen für M "Tri usik"

Die Wurzeln in Hamburg, ein Opa in Trier, das Zuhause da, wo das Herz ist: Kettcar ist bekannt für tiefgründige deutsche Texte mit feinsinnigem Humor. Am Freitag, 7. August, steht die Band auf der Sommerbühne des Trierer Ex-Hauses (Beginn: 19 Uhr).

 „Wir schulden niemandem Rechtfertigung“, sagt Kettcar-Gitarrist Erik Langer (Zweiter von links). Foto: www.petramer.at

„Wir schulden niemandem Rechtfertigung“, sagt Kettcar-Gitarrist Erik Langer (Zweiter von links). Foto: www.petramer.at

Trier. (bec) Trier, für eine Band ein Ort von vielen. Ein Ort, an den sich eine Band im besten Fall noch ein paar Tage erinnert - meistens wegen der hübschen historischen Umgebung. Warum das für die Hamburger Band Kettcar noch nicht alles ist, ist ein kleiner Teil dessen, was Gitarrist Erik Langer im Gespräch mit TV-Redakteurin Rebecca Schaal verrät.

Ihr habt immer wieder betont, dass ihr eine besondere Beziehung zu Trier habt. Warum ist das so?

Erik Langer: Bei mir ist das schon deshalb so, weil mein Opa in Trier lebt. Es gibt aber auch noch andere Gründe: Wenn man mit einer Band unterwegs ist, dann kristallisieren sich ein paar Städte raus, in denen man sich willkommen fühlt, wo sich das Publikum freut und man gutes Essen bekommt. Wir haben in Trier im Ex-Haus-Keller angefangen zu spielen - das war immer toll. Trier ist einfach eine Stadt, die offen ist für Musik.

Ihr habt mal von einem RadioModerator erzählt, der gesagt hat: "Ihr seid ja doch lustig! Bisher mochte ich euch nicht, ihr seid so intelligent." Ist man mit oberflächlichen Texten erfolgreicher?

Langer: Das ist so. Wenn du viel Geld verdienen möchtest, dann musst du andere Musik machen, sehr viel einfachere Texte schreiben und ein anderes Bild vermitteln als wir. Ich habe neulich einen LKW von einer bekannten Volksmusikerin gesehen, auf dem sie in Minirock und Lackstiefeln abgebildet war. Das sah so unglaublich billig aus. Die verkauft Millionen Platten. So kann man also auch Menschen erreichen - schön. Aber das ist nicht unser Anspruch. Wir machen das, was wir wollen - und zwar mit aller Konsequenz, weil wir niemandem Rechtfertigung schulden.

Gibt es deiner Meinung nach den typischen Kettcar-Fan?

Langer: Nein, den gibt es nicht. Das sehen wir bei den Konzerten immer wieder. Die Leute sind zwischen 16 und 60.

Aber ist es nicht so, dass man ein paar Erfahrungen gemacht haben muss, um eure Texte zu verstehen? Können 16-Jährige wirklich was damit anfangen?

Langer: Stimmt, da habe ich auch schon drüber nachgedacht. Letzten Endes zieht aber jeder aus Musik etwas für sich heraus. Wenn ein Fünfjähriger einen Song von Kettcar hört und dazu tanzen kann, dann ist das doch wunderbar. Und wenn man dann andere Menschen erreicht, die die Texte nachvollziehen können, weil sie gerade in einer ähnlichen Lebenssituation stecken, dann ist das genauso toll.

In "Graceland" vom aktuellen Album Sylt heißt es "du bist jung oder tot". Ist dieser Jugendwahn in eurer Branche nicht besonders ausgeprägt?

Langer: Nein, das ist nicht so. Natürlich gehen wir auch auf die 40 zu und sind doch irgendwie jünger. Wir springen immer noch in Turnschuhen auf der Bühne rum und fühlen uns wohl dabei. Ich glaube, dass es ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen ist, dass eine ganze Generation verlernt hat, zu altern. Wenn man Lust hat mit 70 das Leben eines 20-Jährigen zu führen, dann ist das in Ordnung. Was ich schlimm finde, sind sieben- oder achtjährige Mädels, die in hautengen Stretch-Jeans rumlaufen und total auf sexy machen.

Thema politisches Engagement: Ihr habt für die "Move against G8"-CD im Vorfeld des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm ein Lied beigesteuert. Wie kam es dazu?

Langer: Diese CD wurde von Leuten initiiert, die wir länger kennen und mit denen wir schon andere politische Aktionen gemacht haben. Das war für uns einfach eine gute Sache. Wir haben beim G8-Gipfel im Camp auch gespielt. Ich selbst habe da sogar eine Woche protestiert.

Also seht ihr euch als politische Band?

Langer: Wir haben nicht ständig die Faust in der Luft und schreien Parolen. Aber wir sind auf jeden Fall politisch denkende Menschen. Das schlägt sich teilweise auch in den Texten nieder. Auf jeden Fall aber in Aktionen, die wir unterstützen. Wenn man ein Stück weit in der Öffentlichkeit steht, dann hat man auch eine gewisse Verantwortung.

Aber ihr würdet nicht so weit gehen, auf Konzerten etwas über eure politischen Ansichten kundzutun?

Langer: Was wir als Band im höchsten Fall leisten können und wollen, ist, unsere Gedanken zu teilen. Da kann sich dann jeder seinen Teil denken. Aber wir wollen auf keinen Fall jemandem unsere Meinung aufdrücken.

Mit welchem Gefühl sollen denn die Leute nach eurem Konzert in Trier nach Hause gehen?

Langer: Dass sie einen schönen Abend hatten. Toll wäre es, wenn wir die Erwartungen der Menschen erfüllen können.

Und mit welchem Gefühl würdest du in Trier gerne von der Bühne gehen?

Langer: Ich will zu unserem Bassisten Reimer rübergehen, ein Bier aufmachen, und dann sollen wir sagen können: "Super, oder? Wir haben echt den allerbesten Job der Welt."

Das Kettcar-Konzert auf der Sommerbühne des Trierer Ex-Hauses beginnt am Freitag um 19 Uhr. Im Vorprogramm spielen Alex Amsterdam und Auletta. Tickets gibt es für 21,50 Euro in den TV-Service-Centern in Trier, Bitburg und Wittlich.

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